Archivierter Artikel vom 10.12.2013, 06:00 Uhr
Brüssel

Hilfskredite: Irland verlässt den Rettungsschirm

Für Michael Noonan war es eine ganz besondere Sitzung in Brüssel: Seine Finanzministerkollegen aus den Euro-Ländern haben am Montagabend die letzte Kreditrate für Irland von rund 1,4 Milliarden Euro freigegeben. Damit kann Dublin am 15. Dezember aus dem Hilfsprogramm aussteigen.

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Irland arbeitet am ökonomischen Neuanfang – ein Problem sind die Altlasten aus der Bankenkrise: Die Geldinstitute sind nur mit magerem Eigenkapital ausgestattet.
Irland arbeitet am ökonomischen Neuanfang – ein Problem sind die Altlasten aus der Bankenkrise: Die Geldinstitute sind nur mit magerem Eigenkapital ausgestattet.
Foto: DPA

Die Grüne Insel musste 2010 als erstes Land unter den Rettungsschirm schlüpfen – und verlässt ihn nun ebenfalls als erster Staat wieder. Schutzschirm-Chef Klaus Regling wertet Irlands Ausstieg als Beweis dafür, dass die Strategie funktioniere, „befristete Kredite gegen strenge Auflagen zu gewähren“. Die Wiederauferstehung des todkranken „keltischen Tigers“ soll nach dem Willen der Euro-Retter ein Mutmacher für die gesamte Währungsunion werden.

Insgesamt erhielt die Grüne Insel 85 Milliarden Euro Darlehen. Jetzt will sich das Land wieder aus eigener Kraft refinanzieren. Die Zinskosten für langfristige irische Staatsanleihen sind seit dem Sommer 2011 von mehr als 14 auf weniger als 4 Prozent gefallen. Analysten halten den Marktzugang für gesichert. Irlands Wirtschaft wächst in diesem Jahr um 0,6 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit beginnt zu sinken. Die Hauspreise, die sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert und das ganze Land mit nach unten gerissen hatten, stabilisieren sich. Steigende Exporte sorgen für einen Leistungsbilanzüberschuss.

Für 2014 sind die Wachstumsaussichten besser als in den meisten anderen Ländern Europas. Dennoch bleibt Hoffnungsträger Irland weiter Europameister im Schuldenmachen. Die Summe der Verbindlichkeiten von Staat, Unternehmen und Privatleuten ist mehr als viermal so groß wie die jährliche Wirtschaftsleistung – ein einsamer Rekord.

Auch das staatliche Haushaltsdefizit ist trotz aller Sparanstrengungen mit 7 Prozent der Wirtschaftsleistung noch immer viel zu hoch. Die Altlasten aus der Bankenkrise sind eine Bedrohung für den ökonomischen Neuanfang Irlands. Die Deutsche Bank hat errechnet, dass die irischen Geldhäuser zu den am schlechtesten kapitalisierten Instituten in Europa zählen. Kenner befürchten, dass der nahende Stresstest der Europäischen Zentralbank unangenehme Überraschungen bringen könnte.

„Natürlich gibt es weitere Herausforderungen im Banken- und Immobiliensektor“, räumte auch Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem jetzt ein. Dennoch verbreiten die Iren selbst ungebremsten Optimismus. Finanzminister Noonan hofft, dass die Grüne Insel von den Ratingagenturen bald nicht mehr als „Ramsch“ gewertet wird – wie derzeit mit der Note Ba1. Mehr Sorgen bereitet den Finanzministern Griechenland. Die Kontrolleure wollen erst im Januar wieder nach Athen fahren, um den Stand der Reformen zu prüfen.

Bis dahin kann eine ausstehende Hilfszahlung von 1 Milliarde Euro nicht fließen. Die Kreditgeber erwarten ein geringeres Wachstum als die griechische Regierung und warnen vor einer Unterfinanzierung von 2 Milliarden Euro.