Wir erinnern uns: Bei einer Show wie GNTM geht es um Unterhaltung. Das meist junge und weibliche Publikum liebt es, mit den Meedchen mitzufühlen. Das geht besonders gut, wenn die Macher von GNTM für eine Rollenverteilung sorgen: Da gibt es die Strebsame, die Stille, die Zicke, die Lustige. Da ein Mensch aber mehr Charaktereigenschaften als bloß eine einzige hat, ist es Aufgabe des GNTM-Teams, die Meedchen in die ihnen zugewiesenen Rollen zu pressen. Sprich: Man führt Interviews mit dem Ziel, entsprechende Aussagen zu bekommen, und man schneidet das Filmmaterial, das man hat, so zusammen, dass die Zicke denn auch erfolgreich die Zicke ist – ihre positiven Seiten sendet man einfach nicht.
So weit, so schlimm. Im vergangenen Jahr führte dies bei GNTM zu einem Eklat, der vom Fernsehbildschirm ins reale Leben überschwappte: Die junge Lijana Kaggwa aus Kassel wurde im Verlauf der Staffel als so herzlos und bösartig dargestellt, dass Teile der Zuseher völlig austickten. Sie machten Lijanas Wohnort ausfindig, bedrohten sie und versuchten, ihren Hund zu vergiften. Zum Finale von GNTM wurde Lijana unter Polizeischutz gestellt. Sie nutzte die Liveshow zu einem flammenden Statement gegen Hass – bevor sie freiwillig ausschied. Auf Instagram schrieb sie: „Die Ausstrahlung von GNTM 2020 hat mich psychisch komplett kaputtgemacht. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Stück für Stück hat es mir mein Selbstbewusstsein und meine Lust am Leben genommen.“
GNTM war zu weit gegangen – doch jetzt droht die ganze Geschichte sich zu wiederholen. Hauptdarsteller in diesem Jahr sind Soulin Omar – eine junge Frau, die aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist – und Liliana „Lilly“ Maxwell. Die beiden gerieten vergangene Woche in der Sendung aneinander, ein Wort ergab das andere – dramatisch zusammengeschnitten. So wie man das von GNTM eben kennt. Das Ganze gipfelte in Lilianas Drohung, dass sie Soulin die Beine brechen werde. Bääm!
Doch wo die Verantwortlichen von GNTM einfach genauso weitermachen wie immer, haben die Meedchen selbst dazugelernt. Unmittelbar nach der Ausstrahlung nutzten Soulin und Liliana ihre Reichweite auf Instagram, um die aufgewühlten Fans zu beruhigen. Lilly habe nie vorgehabt, ihr die Beine zu brechen, betonte Soulin, und dieser Streit sei in Wahrheit nur der Anfang einer wunderbaren Freundschaft gewesen. Die jungen Fans sollten daran denken, dass die Folgen der Staffel schon längst abgedreht sind und dass sich seither viel getan hat. Sie und Lilly seien heute die dicksten Freundinnen, würden täglich telefonieren und über diesen dämlichen Zoff damals lachen. Alles gut da draußen, regt euch nicht auf.
Das wirkte offensichtlich – von Hassattacken gegen Liliana hat man nichts gehört. Schlimmer traf es da Designerin Marina Hoermanseder: Die gehörte vergangene Woche neben Klum zur Jury und warf die gehörlose Kandidatin Anna-Maria Schimanski aus der Show. Diese hatte vor dem Entscheidungslauf gefragt, ob ihr Ausschnitt wirklich so tief sein müsse – sie hätte Angst, dass ihre Brüste herausfallen würden. Das sei unprofessionelles Gemecker, schimpfte die Designerin und besiegelte das Ende der jungen Frau bei GNTM. Die Fans fielen daraufhin in Scharen über Hoermanseder her – auch hier gibt es eine Analogie zum vergangenen Jahr, als Designer Philipp Plein sich mit der beliebten Kandidatin Tamara anlegte und danach den Hass der Fans zu spüren bekam. So wie Plein im vergangenen Jahr musste sich auch in diesem Jahr Hoermanseder entschuldigen – und Anna-Maria Schimanski appellierte an die Fans, es sei alles halb so wild, sie sollten keinen Hass im Netz verbreiten.
GNTM hat nichts dazugelernt. Und Heidi Klum spielt weiter fröhlich mit dem Feuer.