Archivierter Artikel vom 22.10.2014, 18:23 Uhr
Köln

Familie saß vier Stunden in Seilbahn fest – „Wir hatten Todesangst“

Es sollte ein schöner Geburtstagsausflug mit der KölnerSeilbahn werden. Doch dann stoppte die Gondel und eine junge Familie saß fest. Die Erinnerungen an die bangen Stunden 40 Meter über dem Rhein werden die Baumhauers so schnell nicht vergessen.

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Gefangen in der Seilbahn.
Gefangen in der Seilbahn.
Foto: dpa/picture alliance

Der Schreck ist den jungen Eltern auch nach 24 Stunden noch ins Gesicht geschrieben. Stundenlang haben Katrin Baumhauer (37), ihr Mann Sven (39) und ihre beiden Kinder Mats (2) und Säugling Tom in einer Seilbahn-Gondel über dem Rhein festgesessen. „Wir hatten bei jeder Windböe Todesangst, dass wir abstürzen“, erzählt Katrin Baumhauer am Mittwoch. Es habe „unheimliche Schwankungen“ gegeben. Ein Rad der Seilbahn war bei dem Sturm am Dienstag aus der Führung gesprungen und hatte so die gesamte Seilbahn über den Rhein blockiert. Die Baumhauers mussten vier Stunden lang in 40 Metern Höhe auf Rettung warten.

Die Fahrt mit der Kölner Seilbahn sollte ein Geburtstagsgeschenk für den zweijährigen Mats sein. Doch mitten während der Fahrt stoppt die Kabine plötzlich. Nichts ging mehr, die Rettungsaktion war für die vielen Einsatzkräfte eine echte Herausforderung. „Wir haben einfach gesungen und gebetet da oben“, erzählt Katrin Baumhauer. Die beiden Kinder seien zum Glück recht ruhig geblieben, ergänzt Vater Sven.

Zwei Höhenretter kletterten schließlich von der Zoobrücke über eine Drehleiter auf die Seile der Bahn und hangelten sich langsam zu der Kabine mit der Familie vor. Starker Wind, Regen und Dunkelheit erschwerten die Rettungsaktion. Zunächst seilten die Retter den Vater und das dreimonatige Baby auf ein Boot im Rhein ab. Danach wurde die Mutter aus der Kabine geholt. Als letztes seilte die Feuerwehr den zweijähriger Mats ab. „Das war der schlimmste Augenblick, als ich dort meinen Sohn zurückzulassen musste“, sagt Katrin Baumhauer. Alle blieben bei der Rettungsaktion unverletzt.

Aus einer anderen Kabine hatten die Helfer vorher schon zwei 22- und 23 Jahre alte amerikanische Touristen befreien können. Dort war die Rettung deutlich einfacher, weil die Gondel oberhalb einer Brücke feststeckte und für die Einsatzkräfte besser zu erreichen war.

Dass sich die Seilbahn über den Rhein verhakte und stehen blieb, ist wahrscheinlich durch eine Windböe mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Stundenkilometern verursacht worden. Die Seilbahn steht nach dem Unglück nun erstmal still. Am Eingang hingen am Mittwoch zwei Pappschilder mit der Aufschrift: „Der Betrieb der Seilbahn ist wegen Reparaturarbeiten eingestellt.“ Die Gondeln sollen erst wieder über den Rhein fahren, wenn die Ursache für den Zwischenfall gefunden ist.