Archivierter Artikel vom 26.03.2014, 06:00 Uhr
Brüssel

EU: Es muss auch Bio drin sein

Bio-Eier, die keine sind, Bio-Käse, der mit Bakterien verseucht war, Tomaten, die mit Pestiziden kontaminiert wurden – solche Lebensmittelskandale soll es künftig nicht mehr geben. Die Brüsseler EU-Kommission hat nach wochenlangen Auseinandersetzungen im Vorfeld ihre umstrittenen Vorschläge für mehr und bessere Kontrollen, verschärfte Auflagen für Produzenten und EU-weit gleiche Bedingungen für die Herstellung von biologisch angebauten Lebensmitteln vorgestellt.

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Nicht immer hält der Inhalt, was der Aufkleber verspricht. Zu häufig trägt vor allem Importware das falsche Siegel, wird aber im Land zu gleichen Preisen wie heimische Produkte verkauft.
Nicht immer hält der Inhalt, was der Aufkleber verspricht. Zu häufig trägt vor allem Importware das falsche Siegel, wird aber im Land zu gleichen Preisen wie heimische Produkte verkauft.
Foto: dpa

Von unserem Korrespondenten Detlef Drewes

„Wir wollen mehr und bessere Bio-Erzeugnisse“, sagte Agrar-Kommissar Dacian Ciolos in Brüssel. „Dies wollen wir erreichen, indem das Vertrauen der Verbraucher in die Bio-Erzeugnisse gefestigt wird.“ Der Markt boomt. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Bedarf vervierfacht, die zur Verfügung stehende Fläche aber nur verdoppelt. „Da ist die Versuchung groß, mit Betrug auf der erhöhte Nachfrage zu reagieren“, hatte Ciolos vor den Agrarministern der Gemeinschaft seinen Vorstoß begründet.

Weitgehend unumstritten ist die Forderung des EU-Kommissars, den Landwirten künftig nicht länger ein Nebeneinander von biologischer und konventioneller Landwirtschaft zu erlauben. Das Risiko der gegenseitigen Kontamination sei zu groß, heißt es in dem Vorschlag. Wer Vieh hält, soll in spätestens zwei Jahren, wenn die Verordnung in Kraft treten könnte, mindestens 60 Prozent des Futters selbst anbauen oder in der unmittelbaren Umgebung einkaufen. Bisher waren es 50 Prozent. Eiweißfutter muss dann sogar zu 100 Prozent biologisch hergestellt worden sein. Derzeit dürfen noch 5 Prozent aus konventionellem Anbau hinzugefügt werden.

Der Anteil von Pestiziden wird drastisch gesenkt. Er darf nach Inkrafttreten die heutigen Grenzwerte von Babynahrung nicht überschreiten. Einheitliche Standards für alle europäischen Landwirte seien nötig, hieß es, um sicherzustellen, dass Produkte, die geringeren Standards entsprechen, nicht auf dem Tisch landen. Das hatte sich in der Vergangenheit immer wieder als Problem herausgestellt.

So ist beispielsweise die deutsche Bio-Landwirtschaft kaum noch in der Lage, die hiesige Nachfrage zu decken. Also wird importiert, was die Nachbarn hergeben. Nicht selten aber gelten dort bislang andere und niedrigere Vorgaben als in der Bundesrepublik. So kamen Waren ins Land, die zwar das Bio-Qualitätssiegel trugen und zum gleichen, hohen Preis wie einheimische Produkte verkauft wurden, obwohl sie diesen Kriterien nicht genügten. Auch der Europäische Rechnungshof hatte in seinem jüngsten Jahresbericht Kritik an den mangelhaften Kontrollen der Branche geübt.