Archivierter Artikel vom 17.02.2018, 12:41 Uhr

Etikettendschungel: Wie wohl ist dem Tier?

Ein einheitliches Siegel für die Kennzeichnung von Fleisch suchen Käufer im Supermarkt vergeblich. Was nicht heißt, dass es keine Qualitätssiegel gibt – im Gegenteil: Eine wahre Flut von Qualitätssiegeln macht es derzeit unmöglich nachzuvollziehen, für welche Standards sie jeweils stehen. Wem das Wohl der Tiere am Herzen liegt, der greift beim Fleischkauf sicherheitshalber auf Bioprodukte zurück. Aber auch hier ist die Kennzeichnung nicht einheitlich.

Nicole MiedingLesezeit: 2 Minuten

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So verpflichtet das staatliche EU-Biosiegel (weißes Blatt auf grünem Grund) europaweit zur Einhaltung gewisser Mindeststandards bei der Aufzucht und Unterbringung von Nutztieren. Die sind aufgrund unterschiedlicher Produktionsweisen bisweilen aber nur der kleinste gemeinsame Nenner. So ist etwa ein Auslauf für Mastrinder und Milchkühe „je nach Verfügbarkeit von Weideflächen“ geregelt. Auch für die Transportwege zum Schlachter gibt es keine weitere Einschränkung.

Deutlich strengere Kriterien haben die Bioverbände. Hier stellt Demeter die höchsten Ansprüche an einen artgerechten Umgang mit den Tieren, Naturland und Bioland sind in ihren Richtlinien etwas weniger strikt.

Foto: dpa

Die Initiative Tierwohl ist eine Initiative des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) in Zusammenarbeit mit Großschlachtereien. Die Supermarktketten, die 85 Prozent des Fleischmarktes im LEH vermarkten, setzen auf freiwilliges Engagement ihrer Lieferanten. Teilnehmende Landwirte müssen ihren Antibiotikaverbrauch analysieren lassen, Tageslicht in Ställen garantieren und eine zusätzliche Verbesserung umsetzen. Welche das ist, dürfen sie sich selbst aussuchen: Stroh, Spielzeug oder auch 10 Prozent mehr Platz pro Tier. Für Mastsauen bedeutet das einen Flächengewinn in der Größe eines Aktendeckels.

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Umwelt- und Tierschutzverbände üben Kritik: Sie halten die Anforderungen an die Tierhaltung für zu lasch und aufgrund ihrer Freiwilligkeit für wenig verbindlich. Welche Bedingungen im Stall jeweils herrschen, lässt sich nicht nachvollziehen. Außerdem garantiert das Tierwohl-Label auf der Packung nicht, dass das Fleisch auch aus einem Betrieb kommt, der sich an der Initiative beteiligt. Überdies ist der Fonds chronisch unterfinanziert: Mit dem bereitgestellten Geld lässt sich derzeit nur etwa die Hälfte der mitmachwilligen Landwirte finanziell unterstützen.

Beim Einkauf im Supermarkt sind aber noch andere Siegel zu finden, die ein Mehr an Tierschutz garantieren – zum Beispiel das Qualitätsfleischprogramm Neuland (in Fleischerfachgeschäften und Hofläden), das Label Für mehr Tierschutz, das der Tierschutzbund vergibt, oder das Label Tierschutz kontrolliert, das die gemeinnützige Stiftung Vier Pfoten vergibt.

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Um die Standards zu vereinheitlichen und Klarheit für Verbraucher zu schaffen, wird seit Jahren die Einführung eines staatlichen Tierschutzlabels diskutiert. Die Kriterien sollen deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard und den eigenverordneten Maßnahmen des Handels liegen. Händler und Bauernverbände halten davon nicht viel.

Welches Label steht wofür? Das erklärt die Verbraucher-Initiative auf www.label-online.de