Archivierter Artikel vom 11.02.2016, 17:02 Uhr

Einwurf: Das unfassbar Kleine im Großen

Gravitationswellen entstehen durch die Beschleunigung von Massen. Zum Beispiel, wenn ein Himmelskörper um um sein Muttergestirn „fällt“, es also umkreist. Man sollte meinen, unsere Erde hätte bei ihrem Lauf um die Sonne mit 6 Trilliarden Tonnen (eine 6 mit 21 Nullen) genug Masse, um den Raum merk- und messbar zu erschüttern. Weit gefehlt! Mit der in Form von Gravitationswellen abgestrahlten Energie könnte man nicht mal eine Kaffeemaschine betreiben, geschweige denn, einen EU-regulierten Staubsauger. Nur 300 Watt gibt die Erde für diese Wellen aus.

Jochen Magnus
Jochen Magnus
Foto: Jens Weber

Jochen Magnus zum Nachweis von Gravitationswellen

Ganz anders sieht es aus, wenn gigantische Objekte wie Schwarze Löcher zusammenstoßen. Die Erschütterung des Raumes – ausgelöst von der Umwandlung mehrerer Sonnenmassen (!) in Gravitationswellen – ist so groß, dass sie noch in zigmillionen Lichtjahren Entfernung gemessen werden kann. Wenn auch nur mit höchstpräzisem Instrumentarium, das Schwankungen um den zehntausendstel Teil des Durchmessers eines Protons messen kann. Dabei ist das Proton schon zehntausend mal kleiner als das kleinste Atom.

Diese Lektion wiederholt die moderne Astronomie immer wieder: Die Größenordnungen im Kleinen wie im Großen sind ebenso fantastisch wie unvorstellbar – und sollte uns Demut lehren. Himmelskörper, die in einer Sekunde so viel Licht und Wärme abstrahlen, wie unsere Sonne in einer Million Jahre, Gestirne, wo ein würfelzuckergroßes Stück Sternmaterial eine Milliarde Tonnen wiegt, zum Beispiel.

Gravitationswellen können helfen, das zunächst Unbegreifbare doch zu verstehen und Neues über den Aufbau unseres Universums daraus zu lernen. Mit ihnen lässt sich die Gültigkeit der heutigen Physik überprüfen und im besten Fall sogar unser Weltbild erweitern.