Archivierter Artikel vom 08.11.2018, 19:39 Uhr
Rheinland-Pfalz/Berlin

Die Spritpreise bleiben hoch: Was ist die Ursache?

Obwohl die Rohölpreise gesunken sind, spüren die Kunden an den Zapfsäulen wenig davon. Liegt das wirklich nur an der langen Trockenheit und dem Niedrigwasser im Rhein?

Keine guten Nachrichten für Deutschlands Autofahrer: Die massiv gestiegenen Preise für Benzin und Diesel werden ihnen noch einige Zeit erhalten bleiben. Obwohl die Rohölpreise seit ihrem Jahreshoch vor einem Monat wieder gefallen sind, merken Kunden an den Zapfsäulen bislang nur wenig davon. Schuld daran ist vor allem die anhaltende Trockenheit, die seit dem Frühjahr die Pegelstände der Flüsse immer tiefer sinken ließ. Auch der Oktober war zu trocken; es fielen nur halb so viele Niederschläge wie im langjährigen Mittel. Und eine Wende ist noch nicht in Sicht.

Die Folgen spürt jeder Autofahrer im Portemonnaie. Kostete ein Liter Diesel Anfang Oktober im bundesweiten Schnitt noch 1,34 Euro, so waren es Ende des Monats bereits 1,42 Euro. Teils kratzte der Preis sogar an der 1,50-Euro-Marke. Der Liter Superbenzin verteuerte sich im Laufe des Monats nach Daten des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) von 1,49 Euro auf 1,60 Euro. Paradox: Im gleichen Zeitraum verbilligte sich ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent um 11 Prozent auf umgerechnet 66,40 Euro.

In normalen Zeiten können sich die Autofahrer darauf verlassen, dass die Preise von Benzin, Diesel und Heizöl ungefähr mit dem Preis für Rohöl und dem Dollar schwanken – mal etwas mehr, mal etwas weniger. In diesem Herbst aber kommen sinkende Rohölpreise an den Märkten bei den Autofahrern erst gar nicht an, weil die Transportkosten gestiegen sind.

Vor allem der Rhein und seine Nebenflüsse spielen eine wichtige Rolle für die Versorgung Deutschlands mit Öl. Hier liegen zum Teil riesige Raffinerien, die durch Rohrleitungen mit Rohöl versorgt werden. Die fertigen Produkte werden mit Binnenschiffen in Tanklager an den Flüssen transportiert und dann mit Bahn und Lkw zu den Konsumenten. Ein einziges Binnenschiff transportiert im Normalfall rund 3000 Tonnen Heizöl, so viel wie 40 Tankkesselwagen der Bahn oder 120 Tanklastwagen. Die Schifffahrt ist also schwer zu ersetzen.

Seit Wochen fahren die Tankschiffe nicht mehr voll beladen auf dem Rhein. Nach Schätzung von Mario Weller von der H. + R. Bellersheim GmbH in Neitersen (Kreis Altenkirchen) schlagen sich allein die höheren Transportkosten mit bis zu 12 Cent pro Liter Heizöl nieder. Verschärft wird die Versorgungslage durch den Ausfall einer wichtigen Raffinerie an der Donau, die seit einer Explosion Anfang September stillgelegt ist.

Das alles verursacht vereinzelt sogar Versorgungsengpässe. Auch in der Region kommt es derzeit vor, dass manche Tankstelle kurzfristig nur noch leere Tanks zu bieten hat. Wen es trifft, sei nicht vorhersehbar, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen (BFT), Stephan Zieger. „Das ist wie bei einem Gewitter. Da weiß man auch nicht, wo der Blitz einschlägt.“ Doch Zieger beruhigt: „Es ist nur ein logistisches Problem. Insgesamt gibt es genug Kraftstoff.“ Meist bekommt die betroffene Tankstelle schon nach einigen Stunden Nachschub. Das Gleiche gilt fürs Heizöl. Weller betont: „Es gibt genug Öl, nur der Preis ist derzeit sehr hoch.“ Er rät Besitzern von Ölheizungen zu warten, wenn das möglich ist. Wer jetzt Öl braucht, kann auch kleinere Mengen abnehmen und auf fallende Preise warten.

Dabei hat die politische Lage im Iran offenbar noch nicht einmal Einfluss auf die steigenden Preise für die Verbraucher. Seit einigen Wochen hat die Stimmung an den Rohölmärkten gedreht. Ging die Branche bis Anfang Oktober noch von einer Rohölknappheit aus, wird aktuell eher sogar ein Erdölüberfluss erwartet. Wichtigster Grund für den Stimmungswechsel: Die USA setzen ihr Ölembargo gegen den Iran wesentlich schwächer um als erwartet.

Mit Blick auf die Verbraucher gibt die Mineralölbranche allerdings noch keine Entwarnung: „Wir können nicht sagen, wann sich die Situation entspannt“, erklärte ein MWV-Sprecher. Solange die Probleme in der Lieferkette anhalten, müssen die Autofahrer wohl oder übel dafür bezahlen.

Kathrin Hohberger

Neue Fahrverbote und ein Dieselkompromiss

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die deutschen Autohersteller haben bei den Hardware-Nachrüstungen älterer Diesel einen Kompromiss gefunden. Konkret haben die Hersteller zugesagt, Besitzer älterer Dieselautos mit zusätzlich bis zu 3000 Euro pro Fahrzeug zu unterstützen. Dies gilt aber nur für die 15 Städte in Deutschland, in denen Schadstoffgrenzwerte besonders stark überschritten werden.

Fest steht, dass jetzt auch Köln und Bonn wegen zu hoher Luftverschmutzung Fahrverbote für ältere Dieselautos erlassen müssen. Dies entschied das Kölner Verwaltungsgericht nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Köln wurden bei dem gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid (NO2) statt der erlaubten 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittelwert bis zu 62 Mikrogramm gemessen. In Bonn lag der Wert bei bis zu 47 Mikrogramm.

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