Archivierter Artikel vom 01.07.2015, 20:39 Uhr
Reykjavik

Deutsche Aktivisten protestierten und filmten: Erster Finnwal in Island erlegt

In Island ist der erste Finnwal der diesjährigen Jagdsaison gefangen worden. Aktivisten aus Deutschland demonstrierten mit Rauchbomben, als das mit einer Harpune getötete Tier zur Verarbeitung in einer Fabrik in einen Hafen gebracht wurde. Videos dokumentieren, wie das 22 Meter lange Tier an Land gezogen wird.

Lesezeit: 3 Minuten

Hvaldur 9 war schneller zurück als Hvaldur 8. In der Nacht zum 1. Juli kehrte das Walfangschiff zurück, Jagd erfolgreich, den ersten Finnwal abgeschossen. Island erlaubt die Jagd auf Wale und verbrämt das nicht einmal damit, dass das der Forschung diene: kommerzieller Walfang ist gestattet – und die Abschussquote des isländischen Fischereiministerium sieht 154 Finnwale in diesem Jahr vor. Harpunen werden von schwenkbaren Sockeln abgeschossen und lösen beim Aufprall auf das Tier eine Detonation aus, damit sich Widerhaken ins Fleisch bohren.

So hatte der Wal auch keine Chance, der tot in den Hafen geschleppt wurde. 22 Meter lang, 70 Tonnen schwer. Der Meeressäuger bekam immerhin ein trauriges letztes Geleit: Deutsche Aktivisten der Organisation Hard to Port steuerten kleine Boote an den Walfänger heran und zündeten Rauchbomben, stiegen zum Protest auf den Wal. Das Video dokumentiert auch, wie der Wal gehäutet wird und das Zerlegen beginnt. Nur ein paar Meter entfernt hinter einem Zaun stehen Schaulustige, darunter Kinder.

Hinter den Aufnahmen und dem Protest steckt ein Team von fünf Männern und einer Frau aus dem Raum Berlin. Neben dem Gründer der Organisation Hard to Port sind ein Anwalt, eine Tierärztin und Wissenschaftsjournalistin, ein Dokumentarfilmer und mehrere Fotografen dabei. Auf diesem Foto sind der Gründer und Kampagnenleiter Arne Feuerhahn und die Tierärztin Anja Laabs mit einer Drohne vor den beiden Walfangschiffen zu sehen:

Veterinarian Dr. Anja Laabs and Campaign Coordinator Arne Feuerhahn infront of the fin whaling fleet in the port of Reykjavik.

Posted by Just Photographer Berlin on Monday, June 29, 2015

Auch ein isländischer Journalist dokumentierte aus der Luft, wie das mächtige Tier zum Zerlegen an Land geschleift wird:

Kurz vor dem Auslaufen der Boote war eine Petition gestartet, um die Fangaktion zu stoppen. Fast eine Millionen Menschen haben den am 29. Juni gestarteten Appell bereits unterzeichnet. Er richtet sich an den Regierungschef des Antillenstaates St. Kitts und Nevis. Das Walfleisch werde von einem Schiff nach Japan transportiert, das unter der Flagge des vor allem vom Tourismus lebenden Karibikstaates fährt. Der International Fund for Animal Welfare meldete Mitte Mai, dass die „Winter Bay“ 1700 Tonnen Fleisch von Finnwalen für Japan an Bord genommen hat. Der Frachter liegt derzeit in norwegischem Gewässer.

Etliche Restaurants in Islands bieten zwar Walfleisch an, der Markt für das nicht einmal besonders wohlschmeckende Fleisch ist aber erheblich zurückgegangen. 2011 und 2012 hatte Island den Fang sogar ausgesetzt, weil in den Kühlhäusern noch zu viel Fleisch lagerte. Im vergangenen Jahr waren dagegen 137 Finnwale und 24 Zwergwale getötet worden. Bereits seit Anfang Mai dürfen Zwerwale gejagt werden – bis zu 239. Die Tourismuswirtschaft in Island hat Vorbehalte gegen den Walfang, weil sie Einbußen durch fernbleibende Gäste fürchtet. Die Jagd auf die Wale findet unweit des Gebietes statt, in das Boote faszinierte Urlauber zu Walbeobachtungstouren fahren.

Auch wirtschaftlich spielt der Walfang kaum eine Rolle. In dem traditionsbewussten Inselstaat wollen die Nachfahren der Wikinger sich aber in ihre Angelegenheiten nicht hereinreden lassen. Das Fischereiministerium argumentiert zudem gegen den „unsachlichen internationalen Aufstand“, der Walbestand sei hoch, es gebe keinerlei Gefahr für den Bestand der Tieren. Neben Island erlaubt auch Norwegen noch den kommerziellen Walfang, Japan lässt Wale zu vermeintlichen Forschungszwecken jagen.

Hvaldur 8 fuhr nur kurze Zeit nach Hvaldur 9 ebenfalls mit einem Finnwal in den Hafen ein. (law)