Archivierter Artikel vom 16.03.2015, 01:03 Uhr

Der Mittelfinger des griechischen Finanzministers bei Jauch

Hat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis den Deutschen den Mittelfinger gezeigt? Nein, sagte er selbst am Sonntag im Fernsehen bei „Günther Jauch“ im Ersten. Ein Video, das diese Geste zeigte, sei eine Fälschung. Das Video ist unverfälscht, beteuert hingegen der Kameramann, der die Szene aufnahm, gegenüber der Rhein-Zeitung.

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Am Sonntagabend trat der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis im deutschen Fernsehen auf. In der Sendung „Günther Jauch“ wurde er per Video zugeschaltet. Es ging um die Finanzkrise Griechenlands, den Austritt der Griechen aus dem Euro, die Rückzahlung der Schulden Griechenlands.

Die Redaktion von „Günther Jauch“ zeigte in einem Einspieler ein Video, in dem der griechische Finanzminster angeblich den Deutschen den Mittelfinger bezüglich der Rückzahlung von Schulden gezeigt hatte. Es handelte sich um ein Video aus dem Jahr 2013. Später in der Sendung sagte Varoufakis: „Der Finger ist reinmontiert worden“:

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Im Wortlaut: “My proposal was that Greece should simply announce that it is defaulting – just like Argentina did –, within the Euro, in January 2010, and stick the finger to Germany and say: ,Well, you can now solve this problem by yourself.‘“

Hier ist das Video im Original, die entscheidende Szene findet sich ab Minute 1:46:

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In dem älteren Video, aufgenommen im Mai 2013 bei einer Veranstaltung in Zagreb, bezog sich Varoufakus auf Argentinien. Er zeigte mit Bezug darauf vergleichend den Mittelfinger – gegenüber den Deutschen. Er meinte die Geste beispielhaft, ganz offensichtlich nicht wirklich als Affront gegenüber Deutschland. In der ARD-Sendung entstand ein anderer Eindruck.

Kopfschütteln, Fragezeichen, Moderator Günther Jauch schien schockiert. Der griechische Finanzminster verneinte ad hoc vehement, dass das Video authentisch sei. „Das ist eine Fälschung, das ist montiert“, sagte Varoufakis. Er bezog sich dabei nicht auf den durchaus fraglichen Zusammenhang seiner früheren Äußerung, sondern auf die Authentizität des Videos an sich.

Die Rhein-Zeitung befragte noch während der Sendung den damaligen Kameramann, und der antwortete wie folgt:

Alessandro Del Prete, Journalist aus Rom, schrieb uns: „Auf keinen Fall eine Fälschung. Ich habe sechs Minuten aus einer 57-minütigen Konferenz zusammengeschnitten, am 15. Mai 2013 in Zagreb, Kroatien.“

Der Fauxpas aber scheint nur schwer aus der Welt zu schaffen: Die Mittelfinger-Geste des Griechen gegenüber den Deutschen war ganz anders gemeint, sie ist jedoch in ihrer Plakativität nun in der Welt – und schnell missinterpretiert.

msc