Archivierter Artikel vom 23.10.2012, 15:25 Uhr

Der „Fotograf von Ausschwitz“ und der älteste überlebende Häftling sind tot

Warschau – Sie überlebten den Nazi-Terror und die Hölle von Auschwitz – und erlangten mit ihren Berichten und Bildern vom Grauen weltweite Bekanntheit. Der älteste überlebende Auschwitz-Häftling und ein als „Fotograf von Auschwitz“ bekannt gewordener Mann sind tot.

Wilhelm Brasse war der "Fotograf von Auschwitz", bis zu 100 Häftlinge täglich, jeden dreifach. Und dann Fotos von den abartigen Menschenversuchen von Mengele. Danach, sagte er später, habe er nie wieder ein Foto machen können. Jtezt ist er gestorben. 
Wilhelm Brasse war der „Fotograf von Auschwitz“, bis zu 100 Häftlinge täglich, jeden dreifach. Und dann Fotos von den abartigen Menschenversuchen von Mengele. Danach, sagte er später, habe er nie wieder ein Foto machen können. Jtezt ist er gestorben.
Foto: dpa

Warschau – Sie überlebten den Nazi-Terror und die Hölle von Auschwitz – und erlangten mit ihren Berichten weltweite Bekanntheit. Der älteste überlebende Auschwitz-Häftling und ein als „Fotograf von Auschwitz“ bekannt gewordener Mann sind tot.

Antoni Dobrowolski, einst Auschwitz-Häftling mit der Lagernummer 38081, ist tot. Der frühere Widerstandskämpfer ist im Alter von 108 Jahren bereits am Sonntag in seinem Wohnort Debno in Westpommern gestorben, berichteten polnische Medien am Dienstag. Fast zeitgleich kam auch die Nachricht von einem weiteren Todesfall: Der „Fotograf von Auschwitz“, Wilhelm Brasse, ist am Dienstag im Alter von 95 Jahren im südpolnischen Zywiec gestorben. Das berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf einen Vertreter der Gedenkstätte Auschwitz.

Der Ende August 1940 nach Auschwitz deportierte Brasse – Lagernummer 3444 – hatte beim so genannten Erkennungsdienst des Lagers gearbeitet und insgesamt mehr als 50 000 Aufnahmen von den im Lager registrierten Häftlingen gemacht. Auch bei den medizinischen Experimenten des berüchtigten Arztes Josef Mengele musste Brasse die Menschenversuche mit der Kamera dokumentieren.

Brasse, Sohn eines Österreichers und einer Polin, war 1940 auf der Flucht verhaftet worden. Die Porträts, der er machte, zeigten diese Menschen oft zum letzten Mal lebend auf einem Foto. Nach dem Krieg wollte er wieder als Fotograf arbeiten. „Es ging nicht mehr“, sagte er der Süddeutschen Zeitung einmal. Die alten Bilder kamen hoch. Einige hatte er retten könne, als er beim Heranrücken der Russen alles verbrennen sollte. 2006 wurde sein Leben in einer Dokumentation für das polnische Fernsehen verfilmt – der Trailer:

Antoni Dobrowolski hatte die Gestapo 1942 verhaftet. Der ehemalige Grundschullehrer hatte sich nach dem deutschen Überfall auf Polen der Geheimen Lehrerorganisation angeschlossen. Diese organisierte im Untergrund das Schulwesen. Im Juni 1942 kam Dobrowolski mit einem Häftlingstransport nach Auschwitz. Das sogenannte Stammlager war zunächst ein Konzentrationslager mit vor allem politischen polnischen Häftlingen, doch im nahe gelegenen Birkenau hatte bereits der Massenmord an jüdischen Häftlingen begonnen. Insgesamt wurden in Auschwitz-Birkenau mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet.

Dobrowolksi wurde später nach Groß-Rosen verlegt und erlebte die Befreiung durch amerikanische Truppen im Konzentrationslager Sachsenhausen. Nach dem Krieg arbeitete er in Polen wieder als Lehrer.

Das geheime Schulwesen Polens war eine in ganz Europa einzigartige Form des Widerstands. Die Nationalsozialisten hatten alle höheren Schulen und Universitäten geschlossen; in einigen der von Deutschland besetzten Gebiete war selbst der Grundschulunterricht schweren Beschränkungen ausgesetzt. Die Polen sollten nach den Plänen der Nationalsozialisten ein Volk von Arbeitssklaven werden.

In Privatwohnungen organisierten Lehrer wie Dobrowolski und Schüler insgeheim Unterricht vor allem für Gymnasialklassen und Studenten. Einer der vielen tausend jungen Polen, die im Untergrund lernten, war Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II.