Archivierter Artikel vom 11.02.2021, 08:26 Uhr
Deutschland

Arktische Temperaturen und Schnee satt: Deutschland im Kälteschock

Berlin. Bibberkälte mit Tiefstwerten bis zu minus 26,7 Grad – das Winterwetter hält Deutschland weiter fest im Griff. In Thüringen wurden in der Nacht zum Mittwoch die niedrigsten Werte gemessen. Die Ortschaft Mühlhausen lag dabei mit minus 26,7 Grad an der Spitze, gefolgt von Olbersleben mit minus 26 Grad und Dachwig mit minus 25,7 Grad.

Das extreme Winterwetter beherrscht nach wie vor große Teile Deutschlands. Auto- und Bahnfahrer müssen daher weiter mit Einschränkungen rechnen, manchen Wintersportler mag es dagegen freuen. Und die klirrende Kälte ist noch lange nicht vorbei. Im Westerwald, wo alle Bäume und Sträucher mit Eis überzogen waren, lösen sich im Sonnenschein die ersten Tropfen.

Bildwert Hilpert

Das extreme Winterwetter beherrscht nach wie vor große Teile Deutschlands. Auto- und Bahnfahrer müssen daher weiter mit Einschränkungen rechnen, manchen Wintersportler mag es dagegen freuen. Und die klirrende Kälte ist noch lange nicht vorbei. Im Westerwald, wo alle Bäume und Sträucher mit Eis überzogen waren, lösen sich im Sonnenschein die ersten Tropfen.

dpa

Das extreme Winterwetter beherrscht nach wie vor große Teile Deutschlands. Auto- und Bahnfahrer müssen daher weiter mit Einschränkungen rechnen, manchen Wintersportler mag es dagegen freuen. Und die klirrende Kälte ist noch lange nicht vorbei. Im Westerwald, wo alle Bäume und Sträucher mit Eis überzogen waren, lösen sich im Sonnenschein die ersten Tropfen.

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Das extreme Winterwetter beherrscht nach wie vor große Teile Deutschlands. Auto- und Bahnfahrer müssen daher weiter mit Einschränkungen rechnen, manchen Wintersportler mag es dagegen freuen. Und die klirrende Kälte ist noch lange nicht vorbei. Im Westerwald, wo alle Bäume und Sträucher mit Eis überzogen waren, lösen sich im Sonnenschein die ersten Tropfen.

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Von deutschen Kälterekorden sind diese Werte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) allerdings noch deutlich entfernt: Auf der Zugspitze wurden schon einmal minus 35,6 Grad gemessen, während der historische Rekord jenseits der Berggipfel in den 1970er-Jahren im sächsischen Marienberg mit minus 35,5 Grad verzeichnet wurde, berichten die Meteorologen. Am Mittwoch kam es daher immer noch zu Problemen im Zugverkehr in Deutschland. „Auch in den nächsten Tagen müssen Reisende in vielen Teilen des Landes witterungsbedingt mit erheblichen Einschränkungen im Nah- und im Fernverkehr rechnen“, warnte eine Sprecherin der Deutschen Bahn vorab.

Unterdessen sucht die Feuerwehr in Berlin bei eisiger Kälte nach einem Menschen, der in einem Teich vermisst wird. Drei Männer waren offenbar in ein Eisloch eingestiegen, mutmaßlich zum Baden oder Tauchen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Zwei von ihnen hatten es bis zum Eintreffen der Feuerwehr selbst wieder ans Ufer geschafft. 52 Rettungskräfte waren laut dem Sprecher im Einsatz am Karpfenteich im Treptower Park unterwegs. Auch ein Boot und eine Drohne sollten bei der Suche nach dem Vermissten genutzt werden. Vor dem Betreten von Eisflächen war zuvor deutschlandweit explizit gewarnt worden – diese Gefahr dauert an.

Auf den Autobahnen blieb das erneute Chaos hingegen aus: Auf der A 2 bei Bielefeld hatte sich die Verkehrslage nach dem Schneechaos am Dienstag weitestgehend beruhigt. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, rollt der Verkehr wieder. Es bestand lediglich eine „latente Gefahrenlage“ durch Lastwagen, die auf dem Standstreifen parkten, weil die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten mussten – und schliefen. In anderen Bundesländern meldeten die Polizeistellen vereinzelt Glätteunfälle. So weit, so Winter.

Zwar soll es nun insgesamt weniger Schnee geben, die Temperaturen bleiben nach Berechnungen der Wetterkundler aber im Eiskeller. „Hoch ,Gisela‘ sorgt mit einer nordöstlichen bis östlichen Strömung auch in den kommenden Tagen für verbreitet frostige Temperaturen tagsüber und nachts für strenge, über Schnee bei Aufklaren auch sehr strenge Fröste um minus 20 Grad“, erläutert DWD-Meteorologe Jens Bonewitz. Vom heutigen Donnerstag an werde sich – anders als bisher – auch im Süden Deutschlands die Kaltluft komplett durchsetzen.

Kältewellen wie derzeit in Europa können nach Angaben des Klimaforschers Stefan Rahmstorf im Zuge des Klimawandels häufiger werden – und die Winter dennoch wärmer. „Das kann man auch darauf zurückführen, dass der Polarwirbel instabil geworden ist“, sagt der Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Der Polarwirbel dreht sich normalerweise um die Arktis in der Stratosphäre (der zweiten Atmosphärenschicht) gegen den Uhrzeigersinn und beeinflusst auch das Wetter in der Troposphäre, der unteren Atmosphärenschicht, erläutert er. Der Polarwirbel schließt die arktische Kaltluft ein – solange er sich nicht abschwächt oder gar umkehrt. „Dann kann die Kaltluft, die normalerweise in diesem Wirbel über dem Pol gefangen ist, auf Abwege geraten und auf die angrenzenden Kontinente wandern.“ So kann es passieren, dass es in Nordamerika oder Nordeuropa sehr kalt wird. „Dann wird es in der Arktis besonders warm, die Kaltluft verlagert sich“, erklärt der Klimaforscher. „Ausnahmsweise reicht das auch mal bis nach Spanien oder auch bis nach Florida.“

Die Auswertungen von Daten der vergangenen Jahrzehnte haben nach Angaben des Potsdamer Forschers gezeigt, dass die Zahl der Tage mit instabilem Polarwirbel stark zugenommen hat. Rahmstorf geht daher davon aus, dass es künftig möglicherweise mehr Kältewellen geben wird. „Wir rechnen schon damit, dass das Phänomen wahrscheinlich weiter zunehmen wird“, sagt er und verweist auf Studien, die teils am PIK durchgeführt wurden. Sie haben gezeigt, dass die Ursache zunehmender Instabilität des Polarwirbels wahrscheinlich in der besonders starken Erwärmung der Arktis und der Abnahme des Meereises dort liegt, sagte Rahmstorf. Eine neue Studie weist darauf hin, dass sich eine weitere Destabilisierung des Wirbels im Lauf der kommenden Jahrzehnte durch fortgesetzte globale Erwärmung erwarten lässt.

Von Christoph Zeiher und Corinna Schwanhold