Archivierter Artikel vom 10.11.2011, 19:01 Uhr

Schwachstelle von Malaria-Erreger entdeckt

Der Parasit benötigt einen ganz bestimmten Eiweißkomplex, um in rote Blutkörperchen eindringen zu können – das gibt neue Hoffnung für effektiveren Schutz vor der Erkrankung.

Foto: dpa

Cambridge (Großbritannien) – Der Malaria-Erreger hat eine überraschende Schwachstelle: Beim Eindringen in die Roten Blutkörperchen setzt der Parasit offenbar auf einen einzelnen Eiweißkomplex auf der Oberfläche der Zellen, wie ein internationales Forscherteam entdeckt hat. Wird die Interaktion zwischen diesem Rezeptor-Protein und dem passenden Parasiten-Protein unterbrochen, scheitert die Infektion der Blutzellen. Diese Entdeckung, über die die Wissenschaftler in „Nature“ berichten, könnte neue Möglichkeiten eröffnen für die Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen die gefährliche Infektion.

„Unsere Ergebnisse waren unerwartet und haben die Art und Weise, wie wir den Vorgang des Eindringens betrachtet haben, völlig verändert“, erklärt Seniorautor Gavin Wright vom Wellcome Trust Sanger Institute im britischen Cambridge. „Unsere Forschung scheint eine Achillesferse in der Methode enthüllt zu haben, mit der der Parasit unsere Roten Blutkörperchen erobert.“ Malaria fordert Schätzungen der WHO zufolge alljährlich knapp eine Million Todesopfer, darunter viele Kinder. Als einer der gefährlichsten Erreger gilt Plasmodium falciparum. Schon lange hoffen Forscher auf einen zuverlässigen Impfstoff, um vor der gefährlichen Parasitenerkrankung zu schützen. Trotz zahlreicher Ansätze hat sich dies bisher allerdings als schwierig erwiesen, da die Erreger enorm flexibel sind und auf andere Infektionswege ausweichen können, falls einer blockiert wird. Ein einzelner Rezeptor auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen – Basigin – scheint jedoch absolut notwendig für die Invasion zu sein. Dies konnten Wright und Kollegen aus den USA, dem Senegal und Japan nun zeigen.

Die Forscher hatten mithilfe einer speziellen von ihnen entwickelten Methode die Interaktionen zwischen Proteinen des Parasiten und Rezeptoren auf der Oberfläche der Wirtsblutzellen untersucht. Dabei konnten sie nicht nur dieses besondere Zusammenspiel zwischen Basigin und den zu diesem Rezeptor passenden Molekülen der Parasiten identifizieren. Sie zeigten auch, dass es den Malaria-Erreger effektiv am Eindringen in die Wirtszelle hindert, wenn dieser Prozess gestört wird: Basigin-Antikörper können dies unterbinden. Das scheint universell zu sein, denn es gilt für alle von den Forschern untersuchten Erreger-Stämme.

wsa