Archivierter Artikel vom 29.08.2011, 16:30 Uhr

Meteoriten stammen von steinigen Asteroiden

Sendai (Japan)/Tokio (Japan) – Forscher analysieren erstmals Bodenproben von einem Asteroiden – er besteht aus Bruchstücken eines ursprünglich größeren Himmelskörpers.

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Dieser Meteorit, der im oberbayerischen Zolling bei Freising gefunden wurde, war wahrscheinlich Teil eines größeren Himmelskörpers.
Dieser Meteorit, der im oberbayerischen Zolling bei Freising gefunden wurde, war wahrscheinlich Teil eines größeren Himmelskörpers.
Foto: dpa

Sendai (Japan)/Tokio (Japan) – Die am häufigsten auf die Erde fallenden Meteoriten – so genannten Chondrite – stammen von Asteroiden, die aus Felsgestein bestehen. Diese seit langem von vielen Astronomen gehegte Vermutung konnte nun durch die Analyse von Bodenproben eines Asteroiden bestätigt werden.

Das Material von der Oberfläche des nur rund 500 Meter großen Himmelskörpers mit dem Namen Itokawa war im September 2005 von der japanischen Raumsonde Hayabusa eingesammelt und am 13. Juni 2010 zur Erde gebracht worden. In sechs Aufsätzen präsentieren internationale Forscherteams nun im Fachblatt „Science“ Analysen dieser ersten Bodenproben von einem Asteroiden.
Chondrite sind aus dem Weltall auf die Erde gefallene Gesteinsbrocken, die kugelförmige Mineralieneinschlüsse enthalten – diese „Chondren“
geben den Meteoriten ihren Namen. Die Himmelsforscher vermuten seit langem, dass es sich bei den Chondriten um Bruchstücke steiniger Asteroiden aus dem Hauptteil des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter handelt. Aus der Ferne ließ sich diese These jedoch bislang nicht bestätigen, da die Spektren der Asteroiden keine exakte Übereinstimmung mit Laborspektren von Chondriten-Materie zeigt.
Die Bodenproben jedoch liefern nun eine Bestätigung der These. „Unsere Untersuchung zeigt, dass die steinigen Partikel von diesem Asteroiden identisch sind zu Partikeln von gewöhnlichen Chondriten“, sagt Tomoki Nakamura von der Tohoku-Universität in Sendai, Japan. Zusammen mit anderen Forschern aus Japan und den USA hatte Nakamura die Proben elektronenmikroskopisch und mit Röntgenstrahlen untersucht.
Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass die Asteroiden-Materie ursprünglich über einen längeren Zeitraum auf über 800 Grad Celsius aufgeheizt worden sein muss. „Um eine solche Temperatur zu erreichen, muss ein Asteroid mehr als 20 Kilometer groß sein“, so Nakamura.
„Itokawa muss also von einem größeren Himmelskörper stammen, der durch einen Zusammenprall zerstört wurde und dessen Trümmerstücke sich dann in der jetzigen Form angesammelt haben.“ Itokawa ist also kein fester Körper, sondern eher eine Art kosmische Schutthalte aus Fragmenten des ursprünglichen Himmelskörpers.
Eine weitere Untersuchung zeigt, dass sich das von Hayabusa eingesammelte Material seit weniger als acht Millionen Jahren an der Oberfläche des Asteroiden befunden hat. Keisuke Nagao von der Universität Tokio und Hisayoshi Yurimoto von der Hokkaido-Universität in Sapporo vermuten, dass das Oberflächenmaterial durch Einschläge kleinerer Körper ins Weltall geschleudert und so abgetragen wird. Ein Teil des herausgeschleuderten Materials könnte dann als Chondriten auf die Erde niedergehen. wsa