Archivierter Artikel vom 05.10.2010, 15:50 Uhr
Berlin/Stockholm

Konstantin Novoselov – mit einem Spaß-Experiment zum Nobelpreis

Konstantin Novoselov ist der perfekte Beweis dafür, dass Wissenschaft mächtig viel Spaß machen kann. Sein Nobelpreis zeigt außerdem, dass es keines millionenschweren Etats bedarf, um die höchste aller wissenschaftlichen Auszeichnungen einzuheimsen.

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Konstantin Novoselov, britsich-russischer Physiker, 2010 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Konstantin Novoselov, britsich-russischer Physiker, 2010 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.

Berlin/Stockholm – Konstantin Novoselov ist der perfekte Beweis dafür, dass Wissenschaft mächtig viel Spaß machen kann. Sein Nobelpreis zeigt außerdem, dass es keines millionenschweren Etats bedarf, um die höchste aller wissenschaftlichen Auszeichnungen einzuheimsen.

Mit einem verrückten Experiment Spaß haben und damit den Nobelpreis erobern – einen solchen Coup hat vor Konstantin Novoselov wohl noch niemand gelandet, schon gar nicht im zarten Forscheralter von 36 Jahren. „Novoselov ist der jüngste Physik-Preisträger, den wir seit 1973 gehabt haben. Das ist doch ein prima Ansporn für alle jungen Leute in der Wissenschaft: Wenn du die richtigen Experimente machst – wer weiß?“, sagte der Ständige Sekretär des Stockholmer Nobelkomitees, Staffan Normark.

Die angesehenste Wissenschaftsauszeichnung überhaupt bekommt Novoselov gemeinsam mit seinem Doktorvater Andre Geim für eine Technik, die an Einfachheit kaum zu überbieten ist: die Herstellung einatomiger Lagen aus Kohlenstoff mit Hilfe schlichter Klebestreifen. „Das ist das, was ich genial finde: Wenn Sachen passieren, wo man hinterher sagt, da hätte ich auch drauf kommen können“, sagte Christian Thomsen vom Institut für Festkörperphysik der TU Berlin.

Im Labor Geims werde zehn Prozent der Zeit für „Freitagabend- Experimente“ verwendet, erzählte Novoselov im vergangenen Jahr dem Portal „ScienceWatch.com“. „Ich mache einfach alle möglichen verrückten Sachen, die möglicherweise zu nichts führen, wenn aber doch, dann zu einer großen Überraschung.“

Viele dieser Versuche gingen schief – das Experiment mit den Klebestreifen im ersten Ansatz auch. Eine Kette von Zufällen habe dann binnen einer Woche doch das entscheidende Resultat gebracht.

Novoselov wurde in der ehemaligen Sowjetunion geboren. Sein Studium an der Physikalisch-Technischen Universität in Moskau schloss er „cum laude“ ab. „Ich bin entzückt. Das russische Genie kann sich auch in Manchester durchsetzen“, jubelte nun der Vizepräsident der russischen Akademie der Wissenschaften, Gennadi Mesjaz.

Zwei Jahre nach seinem Abschluss, 1999, wechselte Novoselov an die Universität von Nijmegen in den Niederlanden, heute forscht er – weiterhin gemeinsam mit Geim – an der Universität Manchester in Großbritannien. Ihre Beiträge zu Graphen in den Fachzeitschriften „Science“ und „Nature“ von 2004 und 2005 gehören zu den meistzitierten des Fachgebietes überhaupt. „Das Papier mit dem Durchbruch bei Graphen ist 4000 Mal zitiert worden. Das muss man sich mal vorstellen: 4000 Mal!“, schwärmte Normark.

Forscherkollegen beschreiben Novoselov als höchst sympathischen Wissenschaftler. „Er ist ein super netter, ruhiger, ausgeglichener Physiker, auch sehr kooperationsbereit“, sagte Thomsen. „Mit ihm kann man sitzen und ein Bier trinken und sich nett unterhalten – über Physik, aber auch andere Sachen.“ Der Forscher sei kunstinteressiert, reise viel. „Und er ist natürlich auch ein harter Arbeiter.“

Novoselov selbst sagte im vergangenen Jahr: „Ich hasse die Tatsache, dass wir keine Zeit mehr für Freitagabend-Experimente abgesehen von denen mit Graphen haben.“ Das ließe sich dank des Preisgeldes nun leicht ändern.