Archivierter Artikel vom 13.06.2014, 21:00 Uhr
Berlin

Kinder- und Jugendärztetag: Kinderärzte warnen vor E-Zigaretten

Kinderärzte haben vor dem Genuss von E-Zigaretten gewarnt. „Es sind keine gesünderen Zigaretten“, sagte der wissenschaftliche Leiter des Kinder- und Jugendärzteverbands, Michael Keller, in Berlin. Die Ärzte fordern außerdem einen kritischeren Umgang mit Antibiotika.

Impfrate steigern! Das fordern die Kinderärzte in Deutschland.
Impfrate steigern! Das fordern die Kinderärzte in Deutschland.
Foto: dpa

Von unserer Berliner Korrespondentin Rena Lehmann

Die Ärzte befürchten, dass die neuen und als weniger schädlich geltenden elektronischen Zigaretten, bei denen eine aromatisierte Flüssigkeit verdampft, Jugendliche wieder verstärkt zum Rauchen bringen könnten. Jugendliche könnten von den Zigaretten aber genauso nikotinabhängig werden wie von herkömmlichen Zigaretten, warnen die Ärzte. Sie erwarten „gesetzliche Restriktionen und Verbote“ durch die Politik.

Risiken durch Umwelteinflüsse sind Hauptthema des Kinder- und Jugendärztetages an diesem Wochenende. Keller stellte fest: „Während die Schadstoffbelastung der Muttermilch rückläufig ist, macht uns Sorgen, dass Kinder oft Nikotin ausgesetzt sind.“ Die Hälfte der 3- bis 14-Jährigen leben demnach in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher zusammen. „Wir wissen, dass eine rauchende Mutter die Hauptursache für Mittelohrentzündungen und Bronchitis bei Kindern sein kann“, sagte Keller.

Tiermast mit Antibiotika ist für Kinder besonders gefährlich

Gesundheitliche Probleme sehen die Ärzte auch durch einen intensiven Einsatz von Antibiotika in Tiermastbetrieben verursacht. Die Medikamente wirken sich demnach auf die sensible Darmflora der Kinder aus. Dadurch könnten schwere Erkrankungen ausgelöst werden. „Die frühe Prägung des Immunsystems durch die individuelle Zusammensetzung der Darmflora wird als ein wichtiger Faktor für die zunehmende Entwicklung von Allergien oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen gesehen“, erklärte Keller. Der Veterinärmediziner Hermann Focke schreibt in seinem Bericht zur Tagung von der „Antibiotika-Lüge“. Die Verbrauchsmengen von Antibiotika in Mastbetrieben stimmten nicht mit den offiziellen Angaben überein. Resistenzen würden „praktisch herangezüchtet“, kritisiert Focke. Verbandspräsident Wolfram Hartmann zufolge haben Kinderärzte den Einsatz von Antibiotika in den vergangenen Jahren zurückgefahren.

Impfrate zu niedrig

Die Ärzte halten überdies eine Impfrate von derzeit 80 Prozent für zu niedrig und fordern einen nationalen Impfplan. Es müsste gesetzlich vorgeschrieben sein, dass Kinder, die öffentliche Einrichtungen besuchen, geimpft sind, forderte Hartmann. Auch Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, haben aus Sicht der Mediziner ein Recht darauf, öffentliche Einrichtungen zu besuchen. Damit auch sie vor Kinderkrankheiten geschützt sind, müsste die Impfrate aber bei mindestens 95 Prozent liegen. „Alle Appelle an Freiwilligkeit haben nicht ausgereicht“, kritisierte Hartmann. Die Ärzte fordern, dass etwa vor der Aufnahme in eine Kita eine Impfbescheinigung vorgelegt werden muss.