Archivierter Artikel vom 12.08.2011, 13:32 Uhr
Washington (USA)

Hohe Östrogenproduktion im Brustgewebe fördert Krebs – vorbeugende Behandlung kann sinnvoll sein

In der Mehrzahl der Fälle haben weibliche Sexualhormone eine stimulierende Wirkung auf das Wachstum von Brusttumoren. Ist die Östrogenproduktion im Brustgewebe selbst erhöht, begünstigt das die Krebsentwicklung besonders stark.

Östran, das chemische Grundgerüst der Östrogene.
Östran, das chemische Grundgerüst der Östrogene.
Foto: Klaus Hoffmeier

Washington (USA) – In der Mehrzahl der Fälle haben weibliche Sexualhormone eine stimulierende Wirkung auf das Wachstum von Brusttumoren. Ist die Östrogenproduktion im Brustgewebe selbst erhöht, begünstigt das die Krebsentwicklung besonders stark.

Das schließen US-amerikanische Mediziner aus Versuchen mit gentechnisch veränderten Mäusen. Demnach spielt die verstärkte Aktivität des östrogenbildenden Enzyms Aromatase für die Krebsentstehung eine wichtigere Rolle als die erhöhte Zahl an Östrogen-Rezeptoren. Diese Rezeptoren dienen als Andockstellen für das Hormon und vermitteln seine krebsfördernde Wirkung. Für gefährdete Frauen nach der Menopause könnte zur Vorbeugung oder nach einer Krebstherapie in Zukunft auch eine Behandlung mit Aromatase-Hemmern erwogen werden, schreiben die Forscher im Fachblatt „Cancer Research“. Bisher kamen hauptsächlich solche Medikamente zum Einsatz, die wie Tamoxifen die Östrogen-Rezeptoren blockieren.

„Mit unseren Tiermodellen konnten wir zeigen, dass die lokale Östrogenproduktion im Brustgewebe ausreicht, um die Entwicklung von Brustkrebs zu fördern. Östrogen, das in den Eierstöcken oder im Fettgewebe gebildet wird, ist dazu gar nicht nötig“, sagt Edgar Díaz-Cruz aus dem Forscherteam von Priscilla Furth am Krebszentrum der Georgetown University in Washington. Den Forschern ist es erstmals gelungen, Mäuse zu erzeugen, die ein menschliches Aromatase-Gen im Erbgut tragen, das speziell im Brustgewebe aktiviert werden kann. Das eingeschaltete Gen bewirkte über die Enzymproduktion nicht nur einen starken Anstieg des lokalen Östrogenspiegels, sondern verstärkte auch die Bildung von Östrogen-Rezeptoren im Brustgewebe. Durch diesen zweifachen Effekt erhöhte sich das Krebsrisiko besonders stark. In früheren Experimenten mit anderen transgenen Mäusen hatte eine erhöhte Produktion von Östrogen-Rezeptoren allein eine geringere Wirkung.

Die bei den gentechnisch veränderten Mäusen erzielte gleichzeitige Überproduktion von Östrogen und Östrogen-Rezeptoren war nicht extrem hoch. Sie erreichte Werte, die mit denen von Brustkrebspatientinnen vergleichbar sind, sagt Furth. Die Forscherin hält es daher für möglich, dass Frauen mit einem natürlicherweise erhöhten Östrogenspiegel im Brustgewebe anfälliger für Krebs sein könnten. Wenn sich das bestätigt, wäre es nützlich, einen Test zur Messung dieses Östrogenspiegels zu entwickeln, und besonders gefährdete Frauen nach der Menopause präventiv mit Aromatase-Hemmern zu behandeln.

Joachim Czichos/wsa