Archivierter Artikel vom 14.09.2011, 16:59 Uhr
Stanford (USA)

Hirn-Scans zeigen zuverlässig auf, ob jemand unter Schmerzen leidet

Schmerzen einzuschätzen ist nicht immer einfach – Ärzte sind auf die subjektiven Bewertungen ihrer Patienten angewiesen. Mit Hilfe von Hirn-Scans und Computerberechnungen ist es amerikanischen Medizinern nun gelungen, einen ersten Schritt zur objektiven Messung von Schmerz zu machen. Ihr Computerprogramm konnte mit einer Zuverlässigkeit von mehr als 80 Prozent sagen, ob jemand unter moderaten Schmerzen durch eine Hitzeeinwirkung litt oder nicht, berichten sie im Fachblatt „PLoS ONE“.

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Stanford (USA) – Schmerzen einzuschätzen ist nicht immer einfach – Ärzte sind auf die subjektiven Bewertungen ihrer Patienten angewiesen. Mit Hilfe von Hirn-Scans und Computerberechnungen ist es amerikanischen Medizinern nun gelungen, einen ersten Schritt zur objektiven Messung von Schmerz zu machen. Ihr Computerprogramm konnte mit einer Zuverlässigkeit von mehr als 80 Prozent sagen, ob jemand unter moderaten Schmerzen durch eine Hitzeeinwirkung litt oder nicht, berichten sie im Fachblatt „PLoS ONE“.Weitere Studien müssen allerdings noch zeigen, so die Forscher, ob diese Methode auch bei unterschiedlichen Arten von Schmerz anwendbar ist und sich dieser auch exakt von anderen Erregungszuständen wie Aufregung oder Depressionen abgrenzen lässt.

„Man sucht schon sehr lange Zeit nach einem Schmerzdetektor“, sagt Sean Mackey von der Stanford University. „Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Technologie einsetzen können für eine bessere Erkennung und Behandlung chronischer Schmerzen.“ Allerdings sei mit diesem Ansatz bisher lediglich Hitzeschmerz gemessen worden und es sei noch nicht sicher, ob man Schmerz unter allen Umständen damit messen könne. Mit insgesamt 24 Probanden hatten Mackey und seine Kollegen ihre Methode entwickelt. Zunächst beobachteten sie mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität bei acht der Freiwilligen, während diese an ihrem Unterarm einen moderaten Hitzeschmerz oder einen nicht schmerzvollen Wärmereiz erfuhren. Mit diesen Daten fütterten sie ein Computerprogramm und brachten ihm damit bei, zwischen Schmerz und Nicht-Schmerz zu unterscheiden.

Das so trainierte Programm testeten die Forscher an weiteren 16 Probanden. „Wir fragten den Computer nach einem Vorschlag, was er denkt, wie Schmerz aussieht“, erläutert Mackeys Kollege Neil Chatterjee. „So konnten wir messen, wie gut der Computer war.“ Und er sei erstaunlich gut: Er lag in 81 Prozent der Fälle richtig. „Ich war definitiv überrascht“, sagt Chatterjee. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Methode prinzipiell eignet, um Schmerz ganz ohne die Kommunikation mit dem Patienten einschätzen zu können. In weiteren Untersuchungen hoffen die Forscher, den Ansatz weiterentwickeln zu können, so dass er eines Tages Anwendung in der klinischen Praxis finden kann.