Archivierter Artikel vom 29.08.2011, 16:30 Uhr
Ann Arbor (USA)

Gene bestimmen Grippe-Risiko

Ob ein Mensch an Grippe erkrankt oder nicht, liegt daran, wie gut sein Immunsystem die Abwehrmaßnahmen koordiniert. Das fanden amerikanische Forscher heraus, als sie die genetische und biochemische Immunantwort von Versuchspersonen auf eine Infektion mit Grippe-Viren untersuchten.

Lesezeit: 2 Minuten
Foto: Chris Harrell / Creativey

Ann Arbor (USA) – Ob ein Mensch an Grippe erkrankt oder nicht, liegt daran, wie gut sein Immunsystem die Abwehrmaßnahmen koordiniert. Das fanden amerikanische Forscher heraus, als sie die genetische und biochemische Immunantwort von Versuchspersonen auf eine Infektion mit Grippe-Viren untersuchten.

Dabei zeigten Probanden mit Grippesymptomen eine Fülle von antiviralen und entzündlichen Reaktionen, die zeitgleich aufgerufen wurden und relativ ungeregelt auf die Erreger reagierten. Im Gegensatz dazu reagierten Versuchspersonen ohne Grippesymptome mit einer gut regulierten Antwort ihres Organismus auf die Viren. Sie zeigten eine hohe Aktivität von Genen, die auf den Stress durch die Erreger antworteten, sowie koordinierte Zell-vermittelte Reaktionen. Die Forscher präsentieren ihre Studie im Fachblatt „PLoS Genetics“.

„Die menschliche Immunantwort ist bisher in keiner Studie dieser Größenordnung untersucht worden: Wir haben mehr als 22.000 Gene in 267 Blutproben analysiert“, sagt Alfred Hero von der University of Michigan in Ann Arbor. Zur Suche nach verborgenen Zusammenhängen in der großen Daten-Menge nutzte Hero mathematische Methoden aus anderen Wissenschafts-Bereichen. Insbesondere kam ein Mustererkennungs-Algorithmus zum Einsatz, der eigentlich entwickelt worden war, um Satellitenbilder auszuwerten. Damit analysierte das Team Signale der Gene, die Immunantwort und Grippe-Symptome von 17 Erwachsenen, die vorher mit Influenza-Viren infiziert worden waren. Die Werte der Versuchspersonen, von denen die Hälfte tatsächlich an Grippe erkrankte, wurden über einen Zeitraum von 132 Stunden an 16 Zeitpunkten gemessen.

Schon lange ist klar: Für einen gesunden Menschen ist der Kontakt mit Influenza-Viren notwendig, aber nicht ausreichend, um an Grippe zu erkranken. Die aktuellen Ergebnisse können nun erklären helfen, warum einige Menschen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Grippe bekommen, während andere nicht einmal an einem Schnupfen leiden. „Wir können jetzt damit beginnen, die zugrunde liegende Biologie des Widerstands gegen Infektionen zu erforschen“, meint Geoff Ginsburg von der Duke University, einer der Kooperationspartner von Hero. Trotz großer Fortschritte durch Studien mit Modell-Organismen, sei die komplette Immunantwort des Menschen bisher nur unzureichend verstanden.

Hero ist sich sicher: „Die von uns gemessenen Unterschiede auf entzündlich-genetischer Ebene ermöglichen es, die Auswirkungen schon rund 36 Stunden vor dem Höhepunkt der Grippe-Symptome zu unterscheiden.
Die Ergebnisse weisen ein zeitliches Muster von Reaktionen der Infizierten auf, das Erkrankte und Gesunde unterscheidet. Betroffene Menschen können dann entsprechende Vorkehrungen treffen oder die schlimmsten Symptome sogar ganz verhindern.“ Die Studie ermöglicht aber nicht nur medizinische Prognosen über den Verlauf von Infektionskrankheiten. Denn wenn erst einmal klar ist, was genau im Organismus passiert, das Menschen mehr oder weniger anfällig für Erreger macht, können zielgerichtete Therapien entwickelt werden.