Experte: Asiatischer Pilz bedroht Esskastanien in Rheinland-Pfalz

Ein vom Esskastanien-Rindenkrebs befallener Baum in einem Wald bei Landau.
Ein vom Esskastanien-Rindenkrebs befallener Baum in einem Wald bei Landau. Foto: DPA

Freiburg/Landau (dpa/lrs) – Er ist orange-braun und sieht auf den ersten Blick gar nicht gefährlich aus – der Esskastanien-Rindenkrebs. Doch der Pilz aus Asien stellt nach Meinung eines Experten eine Gefahr für den Bestand dieser Bäume in Rheinland-Pfalz dar.

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Ein Pilz aus Asien bedroht nach Ansicht von Experten den rheinland-pfälzischen Bestand an Esskastanienbäumen. Der sogenannte Rindenkrebs (Cryphonectria parasitica) treffe vor allem die südliche Pfalz, in der die meisten dieser Bäume in Rheinland-Pfalz stünden, sagt Berthold Metzler von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) Freiburg in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

„Die Tendenz der Ausbreitung ist da“, sagt Metzler. Insgesamt gebe es rund 30 Pilzherde, 120 Hektar an forstwirtschaftlich genutzter Fläche gälten als befallen. Da es schwierig sei, den Pilz zu bekämpfen, dürfte der Rindenkrebs aus der Pfalz nie mehr komplett verschwinden. „Das ist eine Straße ohne Wiederkehr.“ Mit Hilfe eines natürlich vorkommenden Virus soll der Pilzbefall nun aber zumindest eingedämmt werden.

Ist ein Baum befallen, legt sich der orange-braune Pilz um den Stamm, wie Metzler erklärt. Schließe sich dieser Ring, könne der gesamte obere Teil des Baumes absterben. Allerdings sei der Pilz für verschiedene Arten von Esskastanien unterschiedlich gefährlich. Die japanischen und chinesischen Esskastanien hätten sich etwa im Laufe der Evolution an den Pilz angepasst. Daher richte er dort nicht so viel Schaden an. „Es wird die Rinde nur wenig beschädigt, der Baum kann aber weiterwachsen.“

Größere Probleme gebe es, wenn solche Erreger in andere Erdteile gelangten. Der Esskastanienrindenkrebs sei 1904 über den Botanischen Garten im New Yorker Stadtteil Bronx in die USA gelangt und habe dort die amerikanische Esskastanie fast vollständig beseitigt. „Sie war einer der Hauptbäume im Osten der USA, vergleichbar mit der Buche bei uns“, sagt Metzler. „Innerhalb von 40 Jahren wurde die amerikanische Esskastanie dann fast ausgerottet.“ In der Fachliteratur werde dies als die „größte forstwirtschaftliche Katastrophe“ bezeichnet.

In Europa wurde der Esskastanienrindenkrebs erstmals 1938 in Genua entdeckt, wie Metzler erklärt. In der Folge gelangte er weiter gen Norden, kam 1992 nach Deutschland – und zwar nach Baden-Württemberg – und ein Jahr später nach Rheinland-Pfalz. Eine ähnliche Entwicklung wie in den USA sei bei der hierzulande heimischen Esskastanie (Castanea sativa) aber nicht zu befürchten, sagt Metzler. Die Art sei nicht so anfällig, selten sterbe ein befallener Baum komplett ab.

Eingedämmt werden soll der Pilzbefall nun mit Hilfe eines natürlich vorkommenden Virus. „Dabei werden infizierte Pilze verbreitet“, sagt Metzler. Wichtig sei, dass der mit dem Virus infizierte Pilz dem Pilz auf einem kranken Baum genetisch ähnele, so dass die Übertragung von Pilz zu Pilz möglich ist und so die Aggressivität der Krankheit nachlässt. „Damit wurden in Italien und der Schweiz schon positive Erfahrungen gemacht“, sagt Metzler.