Archivierter Artikel vom 05.10.2014, 18:52 Uhr
Stockholm

Es geht wieder los: Mit Grips und Glück den Nobelpreis holen

Der schottische Nobelpreisträger Alexander Fleming war angeblich ein fauler Kerl, der sein Labor nur selten aufräumte. Während seine Kollegen ihre Schreibtische blitzblank putzten, bevor sie in den Urlaub fuhren, ließ er den Tisch unordentlich, die Petrischalen stehen, das Fenster auf. Diese Schluderigkeit hat die Welt verändert.

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Foto: picture alliance

Von Julia Wäschenbach

Denn dadurch entdeckte Fleming zufällig die antibiotische Wirkung von Penizillin. Dies zeigt: Um einen der Wissenschafts-Nobelpreise zu bekommen, die in dieser Woche wieder in Stockholm bekanntgegeben werden, muss ein Wissenschaftler nicht nur hartnäckig forschen. Oft gehört auch eine große Portion Glück dazu.

„Fleming war nicht der Typ, der die meisten Stunden im Labor verbracht hat“, sagt der Direktor des Stockholmer Nobel-Museums, Olov Amelin. „Aber er war ein sehr cleverer Kerl, der die richtigen Schlüsse ziehen konnte.“ Als er aus den Ferien zurückkam, fand der Schotte demnach in einer seiner Petrischalen Flächen, auf denen keine Bakterien wuchsen. Stattdessen entdeckte er dort etwas, was er später Penizillin nannte. „So hat er herausgefunden, dass es Bakterien töten kann“, sagt Amelin. Die Entdeckung hat seitdem Millionen Menschen das Leben gerettet.

Natürlich ist das nicht die ganze Geschichte. „Das Glück kommt selten zu den Unvorbereiteten“, sagt Amelin. „Ein Nobelpreisträger hat in der Regel mindestens zehn Jahre seines wissenschaftlichen Lebens damit verbracht, sehr hart an etwas zu arbeiten“, sagt Astrid Gräslund, Ständige Sekretärin des Nobelkomitees für Chemie. Kein Wunder, dass nur wenige Forscher den Nobelpreis gleich am Anfang ihrer Karriere bekommen. „Es ist kein Jugendpreis“, sagt Gräslund.

Ein Quäntchen Glück

Auch Fleming war schließlich gezielt auf der Suche nach einem Weg, Bakterien zu töten. Trotzdem hatte er das Quäntchen Glück, auf das andere erfolgreiche Wissenschaftler ihr Leben lang hoffen. „Wir vergeben keine Preise für das Lebenswerk“, sagt Gräslund. „Viele Wissenschaftler haben große Beiträge zur Forschung geleistet – aber sie sind an nichts festzumachen, das wirklich die Welt verändert hat. Dann bekommen sie den Preis nicht.“ Wenn die Nobelkomitees für Physik, Chemie und Medizin wissenschaftliche Veröffentlichungen auf der Suche nach den nächsten Nobelpreisträgern durchackern, stöbern sie nach einem „Türöffner“ – einer wegweisenden Entdeckung.

Den ersten Physik-Nobelpreis für einen solchen „Türöffner“ bekam Wilhelm Conrad Röntgen 1901. Beim Experimentieren entdeckte er mehr oder weniger durch Zufall Strahlen, die den Körper durchdringen konnten – die Röntgenstrahlen. Doch ganz zufällig kam auch diese Entdeckung nicht. Vor allem war Röntgen ein hartnäckiger Forscher. „Es gibt verschiedene Arten von Nobelpreisen“, erzählt Gräslund. „Aber in der Regel steckt eine Menge harter Arbeit der Preisträger dahinter, etwas Glück – und ein bisschen Genialität.“