Garching

Astronomen erspähen nahes, planetenreiches Sonnensystem

Künstlerische Sicht auf einen extrasolaren Planeten.
Künstlerische Sicht auf einen extrasolaren Planeten. Foto: ESO

127 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen das vermutlich planetenreichste ferne Sonnensystem aufgespürt. Die Sonne HD 10180 im Sternbild Kleine Wasserschlange (Hydrus) wird von mindestens fünf Planeten umkreist, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) berichtete.

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Garching – 127 Lichtjahre von der Erde entfernt haben Astronomen das vermutlich planetenreichste ferne Sonnensystem aufgespürt. Die Sonne HD 10180 im Sternbild Kleine Wasserschlange (Hydrus) wird von mindestens fünf Planeten umkreist, wie die Europäische Südsternwarte (ESO) am Dienstag an ihrem Hauptsitz in Garching bei München berichtete.

Wahrscheinlich habe der Stern sogar noch zwei weitere Begleiter. Mit sieben Planeten wäre es das größte System, das Astronomen bisher in den Weiten des Alls aufgespürt haben. Unser eigenes Sonnensystem hat acht Planeten.

„Dieser bemerkenswerte Fund macht deutlich, dass wir inzwischen in einer neuen Ära der Exoplanetenforschung angekommen sind: Es geht nicht mehr nur um einzelne Planeten, sondern um ganze Planetensysteme“, betonte Christophe Lovis von der Universität Genf.

Das Astronomenteam um Lovis hatte über sechs Jahre den Stern HD 10180 untersucht, der unserer eigenen Sonne ähnelt. Mit einem Präzisionsinstrument am ESO-Observatorium La Silla in den chilenischen Anden beobachteten sie leichte Pendelbewegungen des Sterns. Sie gehen auf die Schwerkraft der Planeten zurück, die an dem Stern zerrt. Die fünf stärksten dieser Pendelrhythmen werden von Planeten verursacht, die 13 bis 25 Mal soviel Masse haben wie unsere Erde. Sie befinden sich damit in der Klasse des Planeten Neptun aus unserem System.

Die fünf Planeten können jedoch nicht alle Pendelbewegungen der fernen Sonne erklären. Die Daten legen noch die Existenz eines saturngroßen Trabanten in den Außenbezirken des neu entdeckten Systems nahe sowie die eines 1,4-Erdmassen-großen Gesteinsplaneten im Zentrum. Sollte sich letztere Vermutung bestätigen, wäre dies der kleinste bislang entdeckte sogenannte Exoplanet bei einem fernen Stern.

Leben dürfte es auf ihm allerdings kaum geben: Er muss so nahe an seiner Sonne sein, dass er sie in nur 1,18 Erdentagen einmal umkreist. Die Astronomen schätzen seine Entfernung zum Mutterstern auf nur ein Fünfzigstel der Distanz Erde-Sonne. In dieser großen Nähe würde die enorme Hitze des Sterns alles Lebendige versengen.

dpa