Archivierter Artikel vom 06.04.2015, 18:46 Uhr
Berlin/Düsseldorf (epd)

200 Millionen Euro: Bundesregierung plant Hilfsprogramm für Ebola-Krisen-Länder

Als Reaktion auf die Ebola-Krise legt die Bundesregierung einem Zeitungsbericht zufolge ein Sonderhilfsprogramm für Westafrika auf. Geplant sei der Aufbau einer Weißhelm-Truppe aus Ärzten, Technikern und Spezialisten, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) der „Bild“-Zeitung (Dienstagsausgabe).

Aufbau der Gesundheitssysteme in Ebola-Ländern.
Aufbau der Gesundheitssysteme in Ebola-Ländern.
Foto: dpa

„Wir werden den Aufbau der Gesundheitssysteme und einer besseren Krisenreaktion in Afrika mit 200 Millionen Euro fördern.“ Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery mahnte unterdessen eine Impf-Initiative an.

Die drei von der Epidemie am stärksten betroffenen Länder – Liberia, Sierra Leona und Guinea – seien wirtschaftlich um fünf bis zehn Jahre zurückgeworfen, sagte Müller: „Auch wenn sich die Scheinwerfer der Welt von Westafrika abwenden, dürfen wir die Region nicht allein lassen.“ Die geplante Weißhelm-Truppe werde Deutschland notfalls im Alleingang aufbauen.

„Wir werden bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit eine Kernmannschaft von Weißhelmen aufstellen, die in drei bis fünf Tagen überall auf der Welt im Einsatz sein kann“, erklärte der Entwicklungsminister. Ob sich andere Nationen an der Initiative beteiligen, sei davon unabhängig: „Wir machen den Vorreiter, hoffen aber, dass sich diese Idee wenigstens auf europäischer Ebene durchsetzt.“ An diesem Dienstag reisen Müller und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zu einem viertägigen Besuch ins Ebola-Gebiet nach Westafrika, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Montgomery mahnte eine internationale Initiative an, um die afrikanische Bevölkerung gegen die Ebola-Seuche zu impfen. „Solche Landstriche entvölkernde Krankheiten lassen sich nur mit Impfungen beseitigen“, sagte der Ärztepräsident der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Regierung und Hilfsorganisationen hätten die Ebola-Seuche in Afrika lange unterschätzt.

„Diesen Vorwurf mache ich aber nicht der Regierung allein, sondern uns allen“, sagte Montgomery. Auch die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Hilfsorganisationen hätten die Ausbreitung der Seuche unterschätzt. Niemand habe sich vorstellen können, wie desolat die Gesundheitsversorgung in den drei betroffenen Staaten sei.

Die Hilfsorganisation „World Vision“ forderte zeitgleich am Montag eine stärkere Unterstützung der Bundesregierung für den Ausbau der Gesundheitssysteme in Afrika. Zwar gebe es Erfolge im Kampf gegen Ebola, doch zahlreiche Länder seien nicht in der Lage, eine medizinische Grundversorgung ihrer Bevölkerung zu gewährleisten. Besonders Schwangere, Mütter und Kinder seien gefährdet. „World Vision“ forderte die Bundesregierung auf, ihren G-7-Vorsitz zu nutzen, um dieses Thema auf die weltpolitische Agenda zu heben.

Im vergangenen Jahr kam es in Westafrika zum bisher größten Ausbruch des tödlichen Ebola-Virus. Besonders betroffen waren die Länder Guinea, Sierra Leone und Liberia. Bislang wurden mehr als 10.300 Tote gezählt, knapp 25.000 Fälle wurden registriert. Die Dunkelziffer soll noch viel höher sein. Eine Therapie gegen Ebola gibt es bislang nicht. Im Juni will sich auch der G-7-Gipfel damit beschäftigen, wie sich solche Krisen in Zukunft vermeiden lassen.