Archivierter Artikel vom 02.10.2014, 06:31 Uhr
Essen

Vor 25 Jahren: Als die Läden plötzlich auch abends geöffnet waren

Mit Kinderrummel, Musikbands und Feuerwerk wurde der Start des Langen Donnerstags vor 25 Jahren in vielen deutschen Innenstädten gefeiert. Doch am 5. Oktober 1989 war nicht die ganze Branche in Feierlaune: Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten war bereits damals umstritten.

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Foto: picture alliance

Von Uta Knapp

Kritiker und Befürworter liefern sich seitdem ein Duell. Vor allem der wachsende Internethandel setzt die Branche heute zunehmend unter Druck.

Wäre es nach manchen Kritikern gegangen, so wäre der Lange Donnerstag bereits kurz nach dem Start wieder zu Grabe getragen worden. Nach heftigen Diskussionen war die zunächst bis 21 Uhr geplante Verlängerung wieder gestutzt worden. Im Gegenzug für die schließlich vereinbarte Verlängerung der Öffnungszeiten an den Donnerstagen um zwei Stunden bis 20.30 Uhr wurden bei dem Kompromiss Abstriche an den Samstagsöffnungszeiten gemacht.

Doch die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten: Nach zögerlichem Start, bei dem wegen Vetos vieler Betriebsräte die großen Warenhäuser abseits standen, ließen bald immer mehr Händler ihre Läden länger geöffnet. In den Stadtzentren war das ein Erfolg. Läden in den Vororten und Randlagen hatten oft das Nachsehen. In einer Bilanz beklagte etwa der damalige NRW-Arbeitsminister Hermann Heinemann (SPD) das neue Modell als „außerordentlichen Flop“ – vor allem für die Tante-Emma-Läden.

Mit der Einführung des Langen Samstags war der Startschuss der Entwicklung jedoch eigentlich schon im Jahr 1957 gefallen. Nach mehr als 30 Jahren Pause ging es 1989 weiter. Auf den Langen Donnerstag folgte 1996 die Öffnung bis 20 Uhr montags bis freitags, die seit 2003 auch samstags gilt.

Seit 2006 ist der Ladenschluss Ländersache – was die Lage nach Einschätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) nicht einfacher gemacht hat. „Der HDE wendet sich gegen den Flickenteppich beim Ladenschluss, der die Verbraucher verwirrt“, sagt Geschäftsführer Kai Falk. Die Bilanz des Branchenverbands zu den verlängerten Ladenöffnungszeiten fällt heute eher ernüchternd aus. „Der Umsatz ist erwartungsgemäß nicht gestiegen“, sagt Falk. Vor allem der Lebensmittelhandel hat ihm zufolge aber die Chance genutzt, um abends den Tankstellenshops Paroli zu bieten.

Vor dem Hintergrund des zunehmend schärfer werdenden Wettbewerbs mit dem Onlinehandel erteilt der HDE nun jeder Regulierung der Ladenöffnung eine Absage. „Die Regulierung der Betriebszeiten gibt es für keine andere Branche in Deutschland“, sagt Falk. Erst vor Kurzem hatte der Verband vor der Verödung der Innenstädte gewarnt. Bis zu 50 000 Läden müssten in den kommenden fünf bis sechs Jahren um ihre Existenz bangen, hieß es.

Flexible Ladenöffnungszeiten gelten auch nach Einschätzung des Deutschen Städte- und Gemeindebunds als Überlebenselixier und Vitalitätsprogramm für bedrohte Innenstädte. „Vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs zwischen Onlinekäufen und stationärem Handel sind diese zusätzlichen Öffnungszeiten unverzichtbar“, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Mittlerweile gebe es Lebensmittelläden mit 24-Stunden-Öffnungszeiten.

Verdi-Handelsexperte Ulrich Dalibor kritisiert die Entwicklung. Statt des Zuwachses an Umsatz und Arbeitsplätzen sei es zu einem verstärkten Verdrängungswettbewerb gekommen. Leidtragende sind für ihn die Beschäftigten, denen die Entwicklung „richtig weh“ tue.