Archivierter Artikel vom 19.02.2015, 05:00 Uhr
Brüssel

Mehr Geldquellen für Unternehmen

Wer Geld braucht, geht zur Bank. Dass dieser Weg in vielen Ländern nicht mehr funktioniert und somit unternehmerische Initiative bremst, müssen zahlreiche Betriebe in den südlichen Krisenstaaten erleben. Nun will die Brüsseler EU-Kommission gegensteuern.

Lesezeit: 2 Minuten

Foto: dpa

Von unserem Brüsseler Korrespondenten Detlef Drewes

Ihr Konzept: Nicht nur die Bankenlandschaft soll harmonisiert und verschmolzen werden, sondern auch der Kapitalmarkt. „Wir wollen einen Binnenmarkt für Investoren aufbauen“, sagte der für Finanzdienstleistungen zuständige EU-Kommissar, Jonathan Hill, bei der Vorstellung eines Grünbuches, das noch keine konkreten Gesetzesvorschläge enthält, sondern zunächst den Bedarf ermitteln will.

Große Unternehmen könnten besser wachsen, Start-ups leichter an Startkapital kommen – das sind die Grundanliegen des Projektes, von dem auch der Präsident des Bankenvereins und Co-Vorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, sagt: „Ein solcher einheitlicher Kapitalmarkt kann Wachstum fördern.“ Im Europäischen Parlament stößt der Plan des britischen Kommissars ebenfalls auf Zustimmung: „Wenn Unternehmen mit innovativen Ideen keine Geldgeber finden, verschwenden wir Potenzial“, kommentierte der SPD-Finanzfachmann Peter Simon.

Konkret denkt man in der Kommission daran, beispielsweise weniger Vorgaben für Börsenprospekte zu machen – das sind jene Informationen, die Unternehmen potenziellen Investoren zur Verfügung stellen müssen. Bei Paketkrediten, sogenannten Verbriefungen, soll es weitgehende Harmonisierungen geben. Insgesamt ist angedacht, Fremdfinanzierungsmöglichkeiten wie Venture Capital, Private Equity, Börsengänge, Aktienemissionen und Unternehmensanleihen zu erleichtern.

Für die meisten deutschen Betriebe dürfte das kaum einen Vorteil bringen, heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. „Die Erwartungen für kleine und mittelständische Unternehmen werden überschätzt“, betonte Präsident Georg Fahrenschon. Hierzulande sei der Zugang zum Kapital ohnehin weitgehend problemlos. Doch Experten warnen davor, in der Kapitalmarktunion ein einfaches Rezept gegen die Kreditklemme südeuropäischer Geldinstitute zu sehen. „Eine solche Gemeinschaft für direkt zugängliche Finanzprodukte kann kein Ersatz für unterbliebene Strukturreformen in den einzelnen Mitgliedstaaten sein“, warnte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken, Michael Kemmer. Im Vorfeld müsse das Vertrauen der Investoren wiederhergestellt werden. Dies sei ohne Vollendung des europäischen Finanzbinnenmarktes bei Banken, ohne eine Harmonisierung des Wertpapierhandels und ohne durchgreifende Angleichung der Steuersysteme für Unternehmen nicht möglich.

Wann die EU-Kommission erstmals konkrete Vorschläge für eine Kapitalmarktunion vorlegen wird, ist noch offen. Derzeit können sich Betroffene und Interessierte bis zum 15. Mai mit eigenen Vorschlägen an einer öffentlichen Konsultation beteiligen.