Archivierter Artikel vom 24.04.2012, 12:40 Uhr
Wien/Berlin

Frauenzone bei der Elektronikkette: Mediamagd gesucht?

Spricht da ein überholtes Frauenbild – oder ist es clevere PR-Strategie? Der Media Markt in Österreich setzt in seinen 31 Märkten auf Frauenzonen. Wenn es nach dem Spott im Netz geht, sollte der Media Markt das Konzept nicht nach Deutschland übertragen.

Lockenwickler gefällig? Gibt's in den 31 Media Märkten in Österreich in der
Lockenwickler gefällig? Gibt's in den 31 Media Märkten in Österreich in der „Woman's World spezeill für Frauen“, Sie ist aber auch offen für „Männer, die ihren Frauen etwas Gutes tun wollen“.
Foto: Media Markt

Was macht ein Unternehmen mit der Erkenntnis, dass Frauen „beim Kennenlernen von technischen Innovationen Frauen drei Dinge besonders wichtig (sind)“, nämlich der „vertrauenswürdige, verlässliche Anbieter, ansprechende Ambiente und Technik zum Anfassen“? Der Media Markt in Österreich macht Frauenabteilungen auf. 40 Prozent weibliche Kunden – der Anteil soll gesteigert werden. Die Vorstellungen von der „Woman's World“ wirken aber auf viele Nutzer gelinde gesagt klischeehaft oder überholt: Von den Plakaten lächeln Frauen, die mit pinkfarbener Kamera die Freundin am pinkfarbenen Laptop knipsen oder sich im Verkaufsraum die Locken drehen.

Pink lässt Frauenherzen höher schlagen? Im Sortiment dominiert die Farbe dann allerdings keineswegs.
Pink lässt Frauenherzen höher schlagen? Im Sortiment dominiert die Farbe dann allerdings keineswegs.
Foto: Media Markt

Die eigentlich Idee erklärte das Unternehmen so: In der „Woman's World“ sollen sich die Damen neue Haushalts- oder Elektronikgeräte anschauen und gerne dabei relaxen: Dort gibt es auch bequeme Sessel. In Österreich wurde das Konzept bereits am Donnerstag offiziell umgesetzt, bei einem Erfolg könnte Deutschland folgen, hieß es.

Inzwischen wird im Netz dort heftig hergezogen: „Ich hasse Rosa und Glitzer und habe trotzdem Brüste“, meint eine Frau auf Twitter und beklagt sich, ihr werde übel bei dem Frauenbild. Auf Twitter wird auch das Bild des Verkäufers skizziert, der der Kundin zu Grafikkarten nur sagen kann, dass es die in der Frauenzone auch in Pink gibt. Sogar die Einrichtung einer „Iditiotenzone“ wird gefordert, damit „sich normale Kunden nicht über Sexismus und Vorurteile ärgern müssen“. „Mediamagd“ wird die Frauenzone verspottet, und ein Nutzer verlinkt zum vermeintlichen neuen Spot – ein Werbefilm aus den 60er-Jahren für das Beruhigungsmittel „Frauengold“ (das später als potentiell krebsfördernd und nierenschädigend verboten wurde).

Media Markt geht den Weg immerhin konsequent weiter: Das Unternehmen sucht auch Testerinnen, die sich sich in „die stilvoll gestalteten Verkaufsräume der Woman's World“ begeben und der Community von ihren Eindrücken berichten sollen. Auf der Fanseite bei Facebook gibt es vergleichsweise wenige Reaktionen – einerseits Beschwerden über das Frauenbild, andererseits auch Lob für die „Massageauflage nach einem langen Tag“. Die Betreuer der Fanseite haben dort erklärt, positives wie negatives Feedback an die zuständigen Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet zu haben.

Die Ankündung der Frauenzonen von Media Markt Österreich In der Vergangenheit hat der Media Markt schon mehrfach provoziert. Zumindest gelingt es der Elektronikkette aber mit Aktionen wie einem verwirrenden Werbespot zum „Ende des Preisirrsinns“ auch immer wieder, ins Gespräch zu kommen.

Lars Wienand