Archivierter Artikel vom 26.07.2012, 20:26 Uhr
Frankfurt/Berlin

Facebook-Panne: Bahn lobt versehntlich „extraklasse Service“

Eine kleines menschliches Missgeschick oder eine Panne, die fragwürdige PR-Aktivitäten bei der Deutschen Bahn offenlegt? Auf der Facebook-Seite war am Donnerstag ein Lob für den Service der Bahn zu lesen – geschrieben vom Account der Bahn. Obwohl umgehend gelöscht macht das Posting Wirbel. Die Bahn bietet aber dafür eine plausible Erklärung an.

Lesezeit: 2 Minuten

Was hat es zu bedeuten, wenn von der Deutschen Bahn ein Posting „Euer Service ist echt extraklasse“ bei Facebook kommt? Das beflügelt jetzt die Fantasie, nachdem ein Tweet mit einem Screenshot davon am Donnerstagabend rasend die Runde machte und sich dann auch in andere Netzwerke verbreitete:

Für die Verbreitung verantwortlich waren zwei Politiker der Jungen Union: Frederic Schneider, Kreisvorsitzender der JU Main-Taunus, hat den Screenshot getwittert, der nach einer Stunde bereits mehr als 100 Mal retweetet worden war. Ursprünglich stammte er aber von Jonas Reiter, Geschäftsführer der JU im saarländischen St. Wendel. Es war 18.19 Uhr, als Reiter auf seinem iPhone Facebook-Meldungen checkte und über den merkwürdigen Eintrag stolperte. „Ich habe versucht, mir einen Reim darauf zu machen, aber ich konnte ihn mir nicht erklären.“ Er machte einen Screenshot – und stellte dann fest, dass das Posting umgehend gelöscht worden war. Wer wollte sich da bei wem bedanken? Sollte da ein positiver Beitrag auf der Seite der Bahn lanciert werden, und jemand hat den falschen Account erwischt? Die Bahn erklärte es auf Nachfrage unserer Zeitung über Twitter so:

Die Erklärung ist nicht abwegig: Facebook hat gerade erst Änderungen vorgenommen, wonach Kommentare nicht mehr einfach verborgen werden können. Bislang war es möglich, so missliebige Beiträge zu verstecken, ohne dass der Kommentarschreiber das merkt. Über die Änderung hat etwa allfacebook.de wenige Stunden vor dem Bahn-Missgeschick berichtet. Außerdem finden sich auf der Facebook-Pinnwand der Bahn unter den Beiträgen anderer Nutzer zumindest bei einer groben Sichtung keine vergleichbaren Postings, die verdächtig sein könnten.

In der Vergangenheit war die Bahn mit verdeckter PR aufgeflogen und dafür vom Deutschen Rat für Public Relations öffentlich gerügt worden (PDF). Der Verein LobbyControll hatte 2009 enthüllt, dass die Bahn dafür siebenstellige Summen ausgegeben hatte, Unter anderem waren gegen Geld positive Leserbriefe und Beiträge in Online-Foren verfasst worden, bei denen Urheber oder Auftraggeber nicht erkennbar sind. Daran fühlte sich jetzt manch einer erinnert.

Der neue Bahnchef Rüdiger Grube bei Bekanntwerden der Affäre 2009 erklärt, er lehne solche PR-Maßnahmen entschieden ab. „Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar.“