Archivierter Artikel vom 03.09.2014, 16:45 Uhr
Palo Alto

Alle wollen Tesla – die großen Versprechen des Elon Musk

Tesla ist ein Phänomen: Trotz Verlusten wird der Elektroautobauer an der Börse höher bewertet als etablierte Branchengrößen. Selbst die US-Politik buckelt vorm schillernden Firmenboss Elon Musk. Dabei sind seine Pläne bislang nichts weiter als große Versprechen.

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Tesla S
Tesla S
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Von Hannes Breustedt (dpa) und Max-Morten Borgmann (dpa-AFX)

Tesla liegt die Welt zu Füßen: Der Elektroautopionier ist Hoffnungsträger der Branche und Liebling der Börse. US-Bundesstaaten machen der Firma den Hof, um als Fabrikstandort auserwählt zu werden. Dabei macht das Unternehmen des berühmten Tech-Milliardärs Elon Musk schmalen Umsatz und Verluste – wie ist der Hype zu erklären?

Aktie im Höhenflug

„Tesla hat sich als das smarte Auto der Zukunft positioniert“, sagt der bekannte Branchenanalyst James Albertine. „Die Konkurrenz ist meilenweit entfernt.“ Investoren sehen es genauso – die Aktie erklomm zuletzt ein Rekordhoch von knapp 285 Dollar. Damit ist die Firma an der Börse gut dreimal so viel wert wie die französische Branchengröße Peugeot.

Dabei steckt Tesla wegen hoher Entwicklungskosten in den roten Zahlen. Im zweiten Quartal schlug unterm Strich ein Minus von 62 Millionen Dollar (46 Mio Euro) zu Buche. Konzernchef Musk sieht sein Unternehmen dennoch fair bewertet. „Momentan glaube ich, dass der Aktienkurs in etwa angemessen ist“, sagte er dem US-Sender CNN.

Elon Musk ist Chef von SpaceX. Daneben gründete er die Unternehmen Tesla und SolarCity.
Elon Musk ist Chef von SpaceX. Daneben gründete er die Unternehmen Tesla und SolarCity.
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„Iron Man“ kann alles verkaufen

Der schillernde Unternehmenschef selbst ist ein wichtiger Grund für das Investorenvertrauen. Der 43-jährige Selfmade-Milliardär betreibt neben Tesla die Raumfahrtfirma SpaceX und hat sein Vermögen vor allem mit dem Bezahldienst Paypal gemacht. Der Prototyp des US-Entrepreneurs – Spitzname “Iron Man" – kann der Wall Street alles verkaufen.

Das größte Versprechen, das Musk im Angebot hat, ist die kostengünstige Massenproduktion eines Elektroautos für die breite Bevölkerung. Bislang bietet Tesla Luxus an, den sich Durchschnittsverdiener nicht leisten können. Das soll sich ab 2017 ändern, wenn das Model 3 auf den Markt kommt. Der Wagen soll 35 000 Dollar kosten und den Elektroauto-Hype in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Damit das klappt, muss allerdings eine große Wette aufgehen: Die sogenannte Gigafactory. Musk will eine Batteriefabrik in noch nie dagewesenem Ausmaß aus dem Boden stampfen. Das Werk muss her, um die Kosten zu senken. Ansonsten wird es schwierig, dauerhaft profitabel zu werden. Langfristig will Musk pro Jahr eine halbe Million Wagen ausliefern – aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Gerade einmal 35.000 Autos dürfte Tesla in diesem Jahr absetzen. Zum Vergleich: Das schafft der deutsche Autoriese BMW locker in einer Woche. Die ambitionierten Wachstumspläne von Tesla stehen und fallen also mit der Mega-Fabrik. Das Werk muss allerdings erst gebaut werden und wird Milliarden verschlingen. Normalerweise sind solche Mammutprojekte aus Investorensicht ein großes Wagnis.

Subventionsjäger

Nicht jedoch, wenn es um Tesla geht. Und selbst die US-Politik tanzt bei der Standortfrage nach Musks Pfeife. Den Tesla-Chef interessiert nur eines: Wo sind die dicksten Subventionen zu holen? Trotzdem buhlt eine Hand voll US-Staaten um die Fabrik, die Tesla bis 2020 hochziehen will. Musk deutete bereits an, dass ein Staat rund zehn Prozent der veranschlagten Kosten von fünf Milliarden US-Dollar als Förderung zuschießen müsse, um den Zuschlag zu erhalten. Etwa 6500 Arbeitsplätze wirft der Tesla-Chef dafür in die Waagschale.

Zwar ist das Geschacher um Subventionen beim Bau neuer Fabriken in der Autowelt keine Seltenheit. Die Werke sind teuer und Politiker erhoffen sich von einem neuen großen Arbeitgeber Schub für die Wirtschaft. Aber mit welcher Offenheit Musk den Fördertöpfen nachjagt und US-Bundesstaaten gegeneinander ausspielt, ist bemerkenswert.

Um bis zum Schluss am längeren Verhandlungshebel zu sitzen, kann er sich sogar vorstellen, die Baumaßnahmen an zwei oder gar drei möglichen Standorten vorzubereiten. Bekannt ist bislang aber nur ein Gelände in der Wüste von Nevada. Ende des Jahres könnte eine Entscheidung über den Standort fallen. Spätestens dann gibt es wohl es die ersten großen Enttäuschungen nach den großen Versprechen.