Archivierter Artikel vom 17.02.2014, 06:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Wandel: Land baut Netz integrativer Kitas aus

Die gleichberechtigte Teilhabe behinderter Menschen in allen Lebensbereichen ist nicht erst seit der UN-Konvention ein Thema in Rheinland- Pfalz. Von 2001 bis heute wurden 150 Grundschulen und 112 weiterführende Schulen zu Schwerpunktschulen. Hier lernen 3700 Behinderte gemeinsam mit Nichtbehinderten.

Von unserer Redakteurin Claudia Renner

Das schreibt die Landesregierung im Bericht zur Lage der behinderten Menschen. Fast 1000 Kinder mit Behinderung besuchen statt einer Förderkita eine integrative Kita, von denen es inzwischen 76 gibt. Integrative Kitagruppen sind kleiner und bekommen mehr Personal zugeteilt, Schwerpunktschulen erhalten mehr Lehrerstunden zugewiesen.

„Wir müssen die Inklusion in die Fläche tragen und traditionelle Strukturen überdenken“, sagt Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen und selbst Rollstuhlfahrer. „Oft gibt es noch die ,Sonderwelten', in denen Behinderte unter sich sind: in Wohnheimen, Werkstätten, Förderschulen und Förderkitas.

Unser Ziel ist, das zu überwinden und zum Beispiel mit der Inklusion in die Regelkita zu gehen.“ Manche Eltern sorgen sich, ihr behindertes Kind werde in einer Regelkita nicht ausreichend gefördert. „Ich verstehe, dass die Eltern Sorge haben um die bestmögliche Förderung für ihr Kind“, erklärt Rösch. „Ich versuche, besorgte Eltern zu überzeugen, und wirke auch darauf hin, dass die beste Förderung gemeinsam stattfindet.“

Dies gelte auch für Schwerpunktschulen. „Wir müssen die Denkmodelle des klassischen Frontalunterrichts überwinden. Immer mehr Schulen machen sich auf den Weg zu offenen Unterrichtsformen. Meine Beobachtung ist, dass alle davon profitieren, auch die Lehrkräfte.“ Anderen Eltern geht die Umstellung auf Inklusion nicht schnell genug. „In Österreich gibt es keine Förderschulen mehr“, sagt Ralf Schniersmeier, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“.

„Da ist es einfach normal, dass Kinder mit Kindern zusammen sind.“ Ein großes Problem sei der Übergang von der Schule in den Beruf. „Es gibt keine inklusiven Ausbildungsangebote für Menschen mit Behinderung“, so Schniersmeier. Mangelware seien auch integrative Oberstufen. Da die Schulzeit in Rheinland-Pfalz auf zwölf Jahre ausgelegt ist, landeten Behinderte nach neun bis zehn integrativen Jahren oft in einer Sackgasse: Entweder wiederholen sie die letzte integrative Klasse so lange, bis die zwölf Jahre voll sind. Oder sie gehen in eine Behindertenwerkstatt – aber die ist dann nicht mehr inklusiv.