Archivierter Artikel vom 06.12.2013, 06:53 Uhr
Langeneß/Hooge

Unwetter: Bangen auf den Halligen

Fast bis zum Hals stand Fiede Nissen 1962 das Wasser. Die Nordsee hatte sturmgepeitscht die flache Hallig Langeneß und auch die erhöhten Warften mit den Häusern erobert. „Plötzlich drückten Wassermassen durch die Glasscheiben, im Nu war unsere beste Stube voll Wasser“, erinnert sich Nissen an die legendäre Sturmflut von 1962.

Von Matthias Hoenig

Er war damals 13 Jahre alt. Jetzt hofft er, dass Orkan „Xaver“ dieselbe, aber inzwischen zweimal erhöhte Warft nicht schafft. Seit Donnerstagnachmittag flutet „Xaver“ Langeneß, die größte der zehn nordfriesischen Halligen vor Schleswig-Holstein. Eigentlich ist „Land unter“ nichts Außergewöhnliches, die Menschen auf der Hallig kennen das, erklärt Nissen.

Er muss dabei fast schreien, so sehr peitscht der Wind ihm ins Gesicht. Nah am Strand liegt sein Postboot „Störtebekker“, mit zwei Ankern gesichert. Seit 36 Jahren holt und bringt Nissen die Post zu vier Halligen. Im Moment fährt er nicht, wegen des heftigen Sturms. Mit dem Auto geht es gerade noch über die einzige Verbindungsstraße auf der zehn Kilometer langen Hallig zum Hotel „Anker's Hörn“. Nissen drängt: „Ist noch viel zu tun.“

Dachpfannen hat er bereits festgenagelt, die Fahnenstange mit straffen Seilen gesichert. Schotten will er noch an Fenster und Türen befestigen und Wellenabweiser auf der Warft so errichten, dass Nordseewasser parallel zum Haus abfließen kann. In der kommenden Nacht werden seine Frau und er kein Auge zumachen, wie vermutlich keiner der Bewohner auf den Halligen.

In „Anker's Hörn“, dem kleinen Hotel, sitzen einige Touristen mit freiem Blick auf die sich lautstark nähernde See. „Ich wohne in der Großstadt, es ist irgendwie faszinierend, den Naturgewalten einmal ausgeliefert zu sein“, sagt Marie Haas (30). Ihrem Verlobten Hannes Schmidt (31) ist eher ein bisschen mulmig, jetzt, wo das Wasser mehr und mehr steigen soll. Gelassen, aber doch mit Anspannung betrachtet Hotelier Malte Karau das steigende Wasser.

Sandsäcke, Schotten, Wasserabweiser – auch Karau hat alles getan, damit die Schäden gering bleiben. „Gegen Sturmflutschäden bekommen Sie keine Versicherung“, sagt er. Gegen Sturm allein ist er zwar versichert. Doch: „Eine Versicherung gegen Elementarschäden deckt zwar auch Wasserschäden ab – aber nur Süßwasser, nicht Salzwasser.“ Für die Bewohner auf der Hallig geht es in dieser Nacht um ihr Hab und Gut.