Archivierter Artikel vom 08.11.2013, 06:59 Uhr
Rheinland-Pfalz

Putzteufel: Manche Perle pflegt schrullige Eigenheiten

Am Internationalen Tag der Putzfrau richten wir einmal den Scheinwerfer auf lieb gewonnene Menschen, die gewöhnlich im Schatten wirken – wenn nicht sogar im Staub. Die Idee zu einem weltweiten Gedenktag geht auf die Krimiautorin Gesine Schulz zurück, deren Romanheldin Karo Rutkowsky Putzfrau und Privatdetektivin zugleich ist.

Von unseren Reportern

Die Autorin rief den Tag 2004 ins Leben – er datiert auf den „Geburtstag“ der Romanheldin. Eine Blitzumfrage in der Redaktion hat ergeben: Fast jeder kennt eine solche Heldin des Alltags. Mancher verdankt ihr nicht weniger als ein geordnetes Leben. Dafür nimmt man die eine oder andere Schrulle doch gern in Kauf, oder?

Putzfrauen pflegen nämlich nicht nur fremde Böden, sondern auch erzählenswerte Eigenheiten.

Frau Legrand zum Beispiel war gebürtige Französin. Sie putzte unsere Altbauwohnung. Das Ergebnis geriet je nach Tageslaune – geht so bis miserabel. Wenn die Laune besonders schlecht war, ging beim Putzen oder Einräumen auch mal eine Vase oder eine Teekanne kaputt. Das war ein bisschen ärgerlich, mehr nicht. Schlimm wurde es, als sich deswegen bei Frau Legrand das schlechte Gewissen regte.

Sie besorgte irgendwoher Ersatz und stellte ihn kommentarlos in den Schrank. Nicht, dass diese Vasen oder Kannen auch nur annähernd Ähnlichkeit mit den vorherigen Stücken hatten. Sie waren auch noch von ausgesuchter Scheußlichkeit. Alle! So scheußlich, dass ich sie umgehend entsorgen musste. Was Frau Legrand, als sie es bemerkte, noch übellauniger machte.

Sie war immer öfter krank und tauchte dann gar nicht mehr auf. Unsere Geschmäcke waren wohl doch zu verschieden. Was putzen und Geschirr angeht …

Mein Singlehaushalt wurde durch meine erste Putzfrau endlich mal so richtig mit Leben erfüllt – und das jedes Mal mit sichtbaren Spuren: Wenn meine Perle durchs Haus gerollt war, konnte ich auch ohne kriminalistische Ausbildung immer gut ihren Arbeitstag rekonstruieren.

Am Fernseher war das Programm auf ihren Lieblingskanal eingestellt, in der Stereoanlage Sender verstellt und eine andere CD eingelegt – alles kein Problem, schließlich soll die Arbeit Spaß machen, und mit Musik geht bekanntlich alles besser.

Nur in einem wurde die Beziehung dann doch ein bisschen zu intim: Als offene Saftflaschen im Kühlschrank deutlich nach Zigarette rochen, hatte sich meine kettenrauchende Putzfrau für meinen Geschmack (und Geruchssinn) doch ein bisschen zu weit in meine Privatsphäre und an die Vorräte vorgewagt ...

Das Wasser ist glasklar, und die Sonne scheint fast immer. Putzfrau Irena schwärmt für ihre Heimat Kroatien. Leider kann sie selbst nicht so oft dort sein. Denn sie hat keine Kreditkarte und kann deshalb nur mit dem Bus hinfahren. Das dauert 30 Stunden. Zum Glück findet sie es hier auch schön – vor allem, weil sie putzen kann, so viel sie will.

Irena putzt bei mehreren Privatleuten und nachts in einer Restaurantküche. Wichtig ist, dass sie regelmäßige Putztage hat und nichts dazwischenkommt. Denn Irena ist telefonisch fast nie zu erreichen – in der Regel hat die Telekom ihr die Leitung abgestellt. An neue Möbel in unserer Wohnung gewöhnt sich Irena allerdings nur schwer.

Meistens verlangt sie auch, dass wir ihr erst einmal die Funktion plausibel erklären. Die nigelnagelneue Ablage nur für Schlüssel etwa: Wozu soll die denn überhaupt gut sein? Die hat ja nicht mal Schubladen! Am liebsten putzt Irena unsere Dusche. So eine Regendusche hat eben nicht jeder. Wenn sie von innen die Glasscheiben vom Kalk befreit, dreht sie das Wasser voll auf und singt dazu.

Ob sie sich dabei gleich selbst sauber macht, habe ich ehrlich gesagt noch nicht zu fragen gewagt. Jetzt freuen wir uns alle auf Weihnachten. Denn dann backt sie mit großer Hingabe für uns Plätzchen. Die schmecken fantastisch – und ein bisschen kroatisch …