Leitartikel: Aus Freude am Gestalten – Politik verständlich machen

Politik ist ein unverständliches Geschäft. Egal, wo man politisch steht: Diese Abwandlung des harten Urteils, dass Politik angeblich schmutzig ist, wird jeder unterschreiben können, der sich für das interessiert, was dieses Land zusammenhält oder am Fliegen hindert.

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Chefredakteur Christian Lindner zur „Wahlzeit!“

„Freiheit oder Sozialismus“ (CDU, 1976), „Den Aufschwung wählen“ (SPD, 1976) oder „Lasst Vernunft walten“ (FDP, 1972) – selbst in Wahlkampfzeiten tritt kaum noch eine Partei mit solch simplen Parolen vor die Bürger. Das hat entscheidend damit zu tun, dass auch für die Politik die Zeiten komplizierter, die Herausforderungen komplexer und die Lösungswege kaum noch überschaubar verästelt geworden sind.

Der Kalte Krieg ist weggetaut, die einzelnen Staaten haben weniger als früher zu sagen, die Globalisierung mischt sich kaum steuerbar und schwer fassbar ein, einfache Lösungen liefern nur fragwürdige Vereinfacher, nicht aber die Wirklichkeit. Kein Zweifel: Politik, die „Wissenschaft von den Erfordernissen“, ist schwieriger geworden.

Das prägt auch die Sprache der Politik, der Politiker und der Politikvermittler wie uns Medien: Sender wie Verbreiter pflegen zu oft gemeinsam einen zu oft zu weit abgehobenen Jargon.

Polit-Sprache oft zu schwierig

Diese Polit-Sprache entspricht zwar meist der Komplexität der Politik. Sie trennt aber auch immer öfter die Regierenden von den Regierten, die Politiker von den Wählern. Die Folgen sind bekannt und oft beklagt: Immer weniger Menschen gehen wählen, immer weniger Bürger möchten als Mitglied einer Partei Einfluss nehmen. Mehr noch: Ausgerechnet in einer Zeit, in der unsere Demokratie durch das Mitmach-Internet so gut beobachtet und so aktiv begleitet werden kann wie noch nie, fühlen sich immer mehr junge Menschen von Teilhabe so abgekoppelt wie noch nie.

Unsere Zeitung möchte das ändern. Wir wissen durch den täglichen Umgang mit Tausenden von Politikern aus Bundestag, Landtag und Kommunalparlamenten, dass die allermeisten von ihnen kein schmutziges Geschäft betreiben, sondern unser Land voranbringen wollen. Wir erleben, wie hart, seriös und selbstlos Politiker (fast) aller Parteien an der Kunst des Möglichen arbeiten. Wir registrieren aber auch, dass viele Politiker sich schwer tun, diese Arbeit transparent zu machen – auch durch eine Sprache, die Politik unnötig aufbläht, verschleiert und zum Ritual erstarren lässt. Wir sehen, dass die Politik dadurch Außenstehende zu schwer erreicht und so faktisch ausschließt.

Schülerlektoren überprüfen uns

Statt aber pessimistisch „Mahlzeit, Demokratie“ zu murmeln, rufen wir zuversichtlich „Wahlzeit!“.

Unsere Zeitung hat – im festen Glauben an das Interesse gerade bei jungen Menschen am Gestalten der Zukunft – ein dickes Paket geschnürt, das Politik fassbar und erlebbar macht. Wir werden beim Schreiben über Politik unsere Sprache vereinfachen, und wir lassen das durch Schülerlektoren überprüfen.

Wir werden Schülerreporter Politiker befragen lassen. Wir werden politische Problemfelder auf vielen Sonderseiten aufbrechen – lebensnah und verständlich geschrieben. Wir werden alledem in der Zeitung viel Platz geben, aber auch im Internet. Und wir sind überzeugt davon: Wenn wir jungen Leuten Politik derart frisch servieren, werden auch ältere Wähler Geschmack daran finden, und die Politiker nicht minder.

Ob jung oder alt: Wir laden Sie herzlich ein, bei unserer „Wahlzeit“ mitzumachen. Unser Zusammenleben und unsere Zukunft – jenseits des Privaten kann es keine lohnendere Aufgabe geben.

Archivierter Artikel vom 20.08.2013, 07:00 Uhr