Archivierter Artikel vom 29.07.2014, 06:16 Uhr

Kommentar Betreuuungsgeld: Klarer Fehlstart für umstrittene Leistung

Die Daten der Studie sind Wasser auf die Mühlen aller Kritiker des Betreuungsgeldes. Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts haben herausgefunden, dass insbesondere bildungsferne Eltern und Zuwanderer lieber die bislang 100 Euro monatlich (mit-)nehmen als ihr Kind mit 15 Monaten in eine Kita zu geben.

Rena Lehmann
Rena Lehmann

Damit wären die schlimmsten Befürchtungen eingetroffen: Das Betreuungsgeld hält ebenjene Kinder von früher Bildung fern, denen sie besonders helfen würde. Ein Jahr nach seiner Einführung erweist sich das Betreuungsgeld als Fehler. Wieder eingestellt wird es deshalb nicht.

Es gehört zu den Absurditäten von Politik, dass die SPD, die im Bundestagswahlkampf lautstark gegen das Betreuungsgeld getrommelt hatte, sich jetzt bedeckt hält. Aus dem zuständigen Bundesfamilienministerium kommt die dürre Aussage, dass man sich an den Koalitionsvertrag hält. Und im Koalitionsvertrag der Großen Koalition steht nichts davon, dass man das Lieblingsprojekt der CSU rückabwickeln möchte. Um den Koalitionsfrieden nicht zu gefährden, kommen von SPD-Familienministerin Manuela Schwesig jetzt nur zaghafte Töne. Dabei kann sie mit den Nachrichten der vergangenen Tage kaum zufrieden sein. Eine andere Studie ermittelte gerade erst, dass bundesweit 100 000 Erzieher für eine gute Betreuung der unter Dreijährigen in den Kitas fehlen.

Fünf Milliarden Euro würden sie kosten. Im Herbst wollen die Länder bei einem Gipfel endlich klare Standards – und natürlich Geld – für ihren Kita-Ausbau sehen. Schwesig steht erheblich unter Druck, hat aber kaum Spielraum zu entscheiden. Wenn die Qualität in den Kitas bei der Betreuung der unter Dreijährigen nicht stimmt, werden sich künftig aber noch mehr Eltern für das Betreuungsgeld entscheiden. Dann bliebe das Versprechen, Kinder früh gut zu fördern, nämlich ein leeres. Und eine Betreuung durch die Eltern daheim vielleicht tatsächlich die bessere Alternative.

E-Mail an: Rena.Lehmann@Rhein-Zeitung.net