Archivierter Artikel vom 22.01.2020, 09:00 Uhr
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Eines der Opfer vom Kalmenhof: Ruth Pappenheimer

Eine der Ermordeten vom Idsteiner Kalmenhof ist Ruth Pappenheimer. Die Tochter eines jüdischen Vaters und einer evangelischen Mutter wurde 1925 in Frankfurt geboren. Ruth wuchs nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei den Großeltern auf. Nachdem Probleme unter anderem in der Schule auftraten, wurde die Jugendliche im Sommer 1941 der Fürsorgeerziehung überstellt, wie aus der Biografie hervorgeht. Das Mädchen wird der Bad Camberger Haus- und Landarbeitsschule zugeordnet, einer NS-Lehreinrichtung für junge Frauen. Sie arbeitet auf einem Bauernhof in dem Taunusstädtchen und in einem Kinderheim nahe Limburg. 1944 soll Ruth Pappenheimer eigentlich an die Haus- und Landarbeitsschule zurückkehren. Weil dort jedoch die Diphtherie ausbricht, wird sie zum Kalmenhof gebracht. Am 20. Oktober 1944 wird Ruth Pappenheimer von dem Anstaltsarzt Hermann Wesse durch zwei im Abstand von mehreren Stunden verabreichte Morphiumspritzen ermordet.

Ein Foto von Ruth Pappenheimer, die 1944 auf dem Kalmenhof ermordet wurde, ist auf einem Stein des gemauerten Rondells für Euthanasieopfer platziert.
Ein Foto von Ruth Pappenheimer, die 1944 auf dem Kalmenhof ermordet wurde, ist auf einem Stein des gemauerten Rondells für Euthanasieopfer platziert.
Foto: dpa

Die Historikerin Martina Hartmann-Menz hat die Geschichte der Familie Pappenheimer erforscht und in Frankfurt einen sogenannten Stolperstein initiiert. In Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern Europas wird mit diesen Steinen an die Opfer der NS-Diktatur erinnert.