Archivierter Artikel vom 19.02.2015, 06:30 Uhr
Nürnberg/Berlin

Debatte: Auch die Ökowelt hat ihre Schattenseiten

Schöne heile Biowelt? Von wegen: Auch die ökologische Landwirtschaft hat ihre Schattenseiten. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, muss sich auch die ökologische Landwirtschaft wandeln.

Energieriegel mit Dörrfleisch aus Bio-Rothirsch: Die Biobranche bemüht sich, den Wunsch nach Regionalität und einfachem Verzehr in ihren Produkten zusammenzuführen. Foto: dpa

Kosmetik „ohne Gedöns“ frei von Erdöl, Silikonen, Parabenen – und natürlich vegan – entwickelt sich zum Bestseller. Foto: dpa

Originelle Spätzle sind heutzutage nicht mehr zwingend handgeschabt... Foto: Nicole Mieding

sondern kommen neuerdings frisch gepresst aus der Tüte... Foto: Nicole Mieding

Fertig! Guten Appetit. Foto: Nicole Mieding

Auf der Messe gab es einiges zu sehen: Bohnenpasta. Foto: Nicole Mieding

Chia-Samen. Foto: Nicole Mieding

Detox-Pudding. Foto: Nicole Mieding

Energydrink. Foto: Nicole Mieding

Grünkohl-Chips. Foto: Nicole Mieding

Hundeshampoo. Foto: Nicole Mieding

Knabbersmoothie. Foto: Nicole Mieding

Kürbisbier. Foto: Nicole Mieding

Urwaldkaugummi. Foto: Nicole Mieding

Foto: Nicole Mieding

Dadurch entstehen riesige Ökofarmen, die sich in ihrer Produktionsweise der industriellen Landwirtschaft annähern – und so viele Kunden enttäuschen, die mit dem Begriff “bio„ nach wie vor eine kleinbäuerliche, idyllische Landwirtschaft verbinden. Zudem strengt sich auch die konventionelle Landwirtschaft an, den Kundenwunsch nach zusatzstofffreien, rückverfolgbaren Waren zu erfüllen. Das schmälert den Mehrwert von Bio und lässt Käufer zögern, für Produkte aus ökologischer Herstellung mehr Geld auszugeben.

Weil es dem deutschen Biomarkt an Rohstoffen mangelt, werden die nicht nur aus EU-Staaten, sondern auch aus Drittländern eingeführt, was die Qualitätskontrolle deutlich erschwert. “Wir haben im Markt Waren, deren Herkunft durchaus zweifelhaft ist„, beschreibt Prof. Ulrich Hamm, Fachgebietsleiter für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel, die Probleme mit Importware aus Drittländern. Auch bei Kontrollen innerhalb der EU gibt es “offene Fragen„, wie Martin Häusling, Mitglied des europäischen Parlaments und Berichterstatter zur anstehenden Revision der EU-Ökoverordnung, gesteht. Überdies herrsche ein Nebeneinander verschiedener Zertifizierungsstandards – was dazu führt, dass die Zertifizierungsstellen mit den laxesten Anforderungen bei den Herstellern die beliebtesten sind. So kommt es auch innerhalb der EU zu uneinheitlichen Standards bei Bioprodukten.

Der aktuellen Veganwelle zum Trotz steigt die Nachfrage nach Biogeflügel. Devise vieler Kunden: wenn Fleisch, dann aus nachhaltiger Produktion. Doch wirtschaftlich ist die Haltung von Hühnern und Puten auch für Biobauern nur im großen Stil zu betreiben. Deshalb setzen auch sie in der Putenmast auf schnell wachsende, konventionelle Rassen. Männliche Küken werden ebenfalls systematisch getötet, weil sie keine Eier legen und sich ihr Fleisch schlecht vermarkten lässt. Im Einklang mit der Natur wirkt das nicht. “Bio ist nicht perfekt, aber zurzeit die beste Alternative, wenn es um Fleischproduktion geht", betont Anke Frenzel vom Bio-Tiefkühlhändler Ökofrost.

nim