Archivierter Artikel vom 18.06.2015, 09:06 Uhr
Berlin

Studie: Deutsche sind offen für Gesundheits-Apps

Für viele Diabetes-Patienten in Deutschland hat das digitale Zeitalter längst begonnen: Statt ihre Blutzuckerwerte regelmäßig per Hand in eine Kladde zu schreiben, um sie später mit dem Arzt besprechen zu können, übernimmt eine Smartphone-App das Protokoll. Das Programm liest dabei nicht nur drahtlos die Informationen aus dem Messgerät aus, sondern erinnert den Patienten auch daran, sich zur richtigen Zeit Insulin zu spritzen.

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Apps können ärztlichen Rat nicht ersetzen
Unzählige Medizin- und Gesundheits-Apps stehen zum Download bereit. Skepsis ist bei Apps angebracht, die ganz konkrete Behandlungsempfehlungen geben.
Foto: Franziska Gabbert – dpa

Doch die Suche nach einer geeigneten App ist für die rund sieben Millionen Diabetiker in Deutschland recht kompliziert. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg, bei der Medizin-, Gesundheits- und Lifestyle-Apps unter die Lupe genommen wurden. So kann man beispielsweise für Smartphones mit dem Betriebssystem Android unter 22 deutschsprachigen und kostenlosen Angeboten wählen. Davon haben nur drei Apps von den Experten durchweg gute Noten erhalten.

Sie informieren die Patienten zum Beispiel nicht nur über die Ursachen von Diabetes und dokumentieren die Messwerte, sondern geben den Betroffenen durch eine individuelle Auswertung gezielte Anreize, sich gesundheitsförderlich zu verhalten. Andere Apps wurden wegen mangelhafter Datenschutzerklärungen oder eines fehlerhaften Impressums abgewertet.

Smartphone-Apps und Internetdienste haben das Potenzial, die Gesundheitsversorgung der Menschen in Deutschland positiv zu beeinflussen, doch noch werden diese Chancen nicht umfassend genutzt. Bei der Bevölkerung ist die Bereitschaft jedenfalls vorhaben, sich auf Gesundheitsdienste im Netz und Apps einzulassen.

Digitaler Arztbesuch

Das ergab eine Umfrage, die von der Techniker Krankenkasse (TK) in Auftrag gegeben wurde. Drei von vier Befragten sagen, dass sie vorwiegend oder ausschließlich im Internet nach Informationen zu Gesundheitsthemen suchen. Mehr als jeder Zweite (52 Prozent) gab an, mit einem Arzt auch gern über das Internet in Kontakt treten zu wollen. Bei dieser Bereitschaft spielt das Alter der Befragten kaum eine Rolle.

Deutlich geringer fällt die Bereitschaft aus, seine Gesundheitsvorsorge und die Speicherung von medizinischen Daten umfassend online zu organisieren. Immerhin jeder Dritte möchte kostenlos per E-Mail an anstehende Früherkennungs- und Vorsorgetermine erinnert werden. Auch die „Patientenquittung“, also eine Auflistung aller vom Arzt abgerechneten Leistungen, will ein Drittel online erhalten. Doch bei den Gesundheits-Apps für das Smartphone, die helfen sollen, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, schrumpft die Zustimmung im Trendmonitor der TK auf magere 7 Prozent.

Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass nicht jeder Krankenversicherte über ein Smartphone verfügt. Dahinter steht aber auch ein Misstrauen, ob die Daten ordentlich geschützt sind und nicht in falsche Hände fallen können. „Der Schutz der Sozialdaten ist extrem wichtig“, sagte Jens Baas, der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse. Er stellte infrage, ob große US-Konzerne geeignet sind, die Daten der Versicherten zu schützen. Seine eigene Organisation brachte er als Aufbewahrungsort ins Gespräch.

Kassen wollen Daten speichern

Ein kommerzielles Interesse der Krankenkassen an den Daten sei nicht vorhanden – schließlich sei eine kommerzielle Risikobewertung der Versicherten bei den gesetzlichen Kassen in Deutschland verboten. Ein zentraler Speicher der medizinischen Daten bei der gesetzlichen Krankenkasse ermögliche beispielsweise, die Verschreibung von Medikamenten unabhängig von den beteiligten Ärzten zentral zu erfassen und den Patienten bei Bedarf vor unerwünschten Wechselwirkungen zu warnen.