Jerusalem

„Stop the terror“: Israeli tritt auf Instagram Lawine los

Ido Simyoni war in großer Sorge um seine Familie im Süden seines Heimatlands Israel, als ihm ein Gedanke kam: Immer wieder erzählten die Verwandten von Sirenen, von ihrer Angst vor den Raketen – da machte er ein Foto von sich mit einer simplen Botschaft: „Stop the terror.“ Daraus wurde eine Kampagne, wie es sie bis dato noch nicht gegeben hat.

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Jerusalem – Ido Simyoni war in großer Sorge um seine Familie im Süden seines Heimatlands Israel, als ihm ein Gedanke kam: Immer wieder erzählten die Verwandten von Sirenen, von ihrer Angst vor den Raketen – da machte er ein Foto von sich mit einer simplen Botschaft: „Stop“ – den Terror. Daraus wurde eine Kampagne, wie es sie bis dato noch nicht gegeben hat.

„Ich wusste schnell, dass es etwas Großes werden wird“, sagt Ido Simyoni, 30-jähriger TV-Produzent aus Israel. „Es war eine Botschaft für Frieden, und ich kann mir keinen vorstellen, der das nicht unterstützt.“ Er, der als @ido8all bei der Fotoplattform Instagram mit mehr als 80.000 Anhänger eine Art Berühmtheit ist, hatte ein Bild von sich hochgeladen: Auf seiner in die Kamera gestreckten Hand der schlichte Satz: „Stop the terror!“ Mit Instagram, sagt er, hatte er ein Instrument, um binnen Sekunden in einem Bild mehr zu sagen als in 1000 Worten.

„Das Leben in Israel ist anders, nicht so leicht. Aber wir sind positiv eingestellt und haben den Glauben in Menschlichkeit und das Gute in jedem Menschen“, schreibt Efrat Vachtel zu diesem Bild.

@vachtelit

Damit ging es los: @ido8all alias Ido Simyoni sah die Nachrichten von den Raketen auf den Süden Israels, erlebte die Angst von Verwandten und Freunden – und musste irgendetwas tun. Seine per Foto auf Instagram verbreitete Botschaft fand schnell Nachahmer.

Die Botschaft mit außerirdischer Unterstützung.

@Malylula

@maortorgeman

Dieser Nutzer hatte dem Bild und der Botschaft in der Beschreibung bei Instagram noch einen Kraftausdruck hinzugefügt.

@orenkadosh

Ido Simyoni bat auch seine Nichte Amit vor die Kamera. Ihr Foto hat bei der Kampagne den meisten Nachhall gefallen – mehr als 11.000 Instagram-Nutzer haben das Bild inzwischen mit einem „Gefällt mir“ honoriert.

@ido8all

Die Kampagne soll unpolitisch sein, sie soll auch den Menschen in Palästinensergebieten gerecht werden, wünscht sich Initiator Ido Simyoni. Dennoch finden sich viele Bilder, die explizit Unterstützung für Israel ausdrücken.

@dinalf

Ein Bild aus Großbritannien. Susannah Constantine ist eine auf der Insel recht bekannte TV-Stylistin und MOdebloggerin.

Susannah Constan

Aus Kanada kommt dieses Bild.

@Elroy

„Pray for Israel“ findet sich in den Kommentaren zu diesem Bild. Aber auch die Bitte „Pray for Gaza“.

Guyprives

„Keine Sirenen, keine bösen Überraschungen – Stop the terror“, kommentiert diese Nutzerin das Bild.

@hilitj

Aus Portugal kommt dieses Bild.

WILDOSCAR

Das aus Puerto Rico...

@alexiolo

Die Farbe ist wirklich noch frisch.

@irahok

Aus Spanien wurde dieses Bild hochgeladen.

@kaixoantonia

Auf dem Smartphone über das Smartphone die gleiche Botschaft.

@kobaiko

„Wir haben genug“, schrieb sie zu dem Bild.

@michaliefrati

Aus Südkorea kam schon sehr früh dieses Foto – und freute Initiator Ido Simyoni.

@musthappykim

Noch ein Bild von ihr.

@natalydadon

Eine ganze Serie von Fotos hat Instagramerin@natalydadon hochgeladen – darunter auch dieses.

@natalydadon

@noamargalit

Das erste Bild sammelte nicht nur rasend „Gefällt mir“-Rückmeldungen, sondern animierte auch Nachahmer aus aller Welt. Ein Mann rasierte sich den Kopf, ließ nur den Schriftzug „Stop“ stehen. Inzwischen finden sich mehr als 11 000 Fotos mit der Botschaft, ein Italiener programmierte eine Seite mit einer Galerie dieser Bilder. Der Strom an „Stop“-Fotos ist auch nicht versiegt, nachdem die Waffenruhe verkündet wurde.
Während Simyoni das für 737 Millionen Dollar von Facebook einverleibte Instagram für seine Friedensbotschaft nutzt, war auch der Krieg längst im Web 2.0 angekommen. Für Verwunderung sorgten Bilder fröhlicher israelischer Soldaten. Und Hamas und Israels Streitkräfte nutzten Netzwerke, um Drohungen, Propaganda und Richtigstellungen zu verbreiten. Die Accounts von Al-Quassar-Brigade und einem Sprecher der Verteidigungskräfte führten Dialoge auf Twitter. Israels Streitkräfte verbanden Social Media sogar mit einem Spiel: Wer die Seite eifrig besuchte, kommentierte und Nachrichten weitergab, sammelte Punkte für eine Karriere in der Virtual Army.

Da löste auch Interesse aus, was Simyoni da tat. Vom Militär habe er nichts gehört, aber im Außenministerium durfte er seine Kampagne vorstellen. Am Ziel ist der Mann hinter der Idee damit noch lange nicht. Die Waffenruhe war noch frisch, da postet er eine Strandszene mit dem Text von John Lennons „Imagine“ („You may say I'm a dreamer...“. Seinen Traum schildert er in einer E-Mail an unsere Redaktion so: Bei den Vereinten Nationen möchte er „stehen und den Mächtigen der Welt eintrichtern, dass sie gegen Terror was tun müssen“. Was? Dazu sagen die Fotos nichts, die simple Botschaft hat aber auch durch den Sender CNN und die Nachrichtenseite Huffington Post viel zusätzliche Aufmerksamkeit gewonnen.

Aber Terror gebe es an vielen Orten und von vielen Organisationen, er zählt dazu nicht nur Al Kaida auf, sondern etwa auch die ägyptische Al-Gama'a al islamiyya, Hisbollah oder die kurdische Arbeiterpartei PKK. Deshalb soll die Kampagne weitergehen, die nächste Stufe erreichen. „Wir brauchen noch viele Menschen mit vielen Fotos, um mehr Wirkung zu erzielen.“ Sein Traum...

Besonders berührt es ihn, wenn Fotos aus anderen Teilen der Welt kamen und kommen, von Menschen, die in Sicherheit leben. Aus Deutschland war die Beteiligung schwach, „ich möchte deutsche Politiker und Prominente aufrufen, sich mit Bildern zu beteiligen.“

Keine Bilder kamen von Palästinenser. Simyoni „möchte glauben, dass das so ist, weil die Menschen dort wegen der Hamas in Angst sind um ihr Leben“. Genauso wie er glauben will, dass Israelis beim Verbreiten der Bilder auch an die Palästinenser denken, „die auch unter dem Hamas-Terror leiden“. Und für Zwischentöne lassen die Fotos keinen Platz.

Von unserem Redakteur Lars Wienand

Autor:
Lars Wienand
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