Archivierter Artikel vom 20.03.2018, 12:33 Uhr
Mainz

Steinmeier: Facebook-Kommentare haben Einfluss auf meine Laune

Hass-Kommentare in sozialen Medien schlagen sich auf das Gemüt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nieder. „Sie haben Einfluss auf meine Laune. Obwohl meine Frau mir das immer verbietet, lese ich dann doch abends gelegentlich Facebook-Kommentare“, sagte Steinmeier am Dienstag in einer Diskussion mit Publizistik-Studenten an der Universität Mainz.

Einige Kommentartoren schrieben, dass er sich aufhängen solle, fuhr Steinmeier fort. „Ich habe in einem Fall mal Strafantrag gestellt, weil jemand aktiv aufgefordert hat, mich zu vergasen. Das hatte natürlich keine Konsequenzen. Aber ich finde, manchmal kommt es auch darauf an, die Grenzen zwischen dem Sagbarem und dem Unsäglichem zu ziehen.“

Zunächst sei er der Meinung gewesen, die Social-Media-Auftritte des Bundespräsidenten hätten keine Moderation nötig, sagte Steinmeier. Als die Grenzüberschreitungen aber immer deutlicher geworden seien, habe ein Team mit Gegenkommunikation begonnen. „Es ganz einfach nur laufenzulassen finde ich falsch, weil es dazu führt, dass andere vernünftige Leute sich nicht melden, die eigentlich zur Korrektur zur Verfügung stehen.“

Steinmeiers Frau Elke Büdenbender ergänzte, das Problem sei nicht mangelnde Bildung. „Es ist das völlig losgelassen sein, die Vorstellung, in der Anonymität des Netzes ist alles erlaubt, was aus der tiefsten Ursuppe hervorquillt.“ Um unter anderem den Einfluss der digitalen Medien auf die politische Kommunikation besser zu verstehen, haben Steinmeier und Büdenbender eine Veranstaltungsreihe zur Zukunft der Kommunikation ins Leben gerufen. dpa