Archivierter Artikel vom 18.06.2010, 22:09 Uhr

Socialfail.de: Koblenzer fischen nach Klöpsen in Netzwerken

Rheinland-Pfalz. Die unendlichen Weiten des WWW – da verbirgt sich auch manches, was lustig ist, peinlich oder zum Schmunzeln anregt. Wenn „Carina“ schreibt, dass sie duschen geht und deshalb stolze 174 Facebookfreunde auf „Gefällt mir“ klicken, dann ist das Kopfkino. Zwei Studenten der Koblenzer Uni wollen, dass möglichst viele Menschen mitlachen.

Rheinland-Pfalz – Die unendlichen Weiten des WWW – da verbirgt sich auch manches, was lustig ist, peinlich oder zum Schmunzeln anregt. Wenn „Carina“ schreibt, dass sie duschen geht und deshalb stolze 174 Facebookfreunde auf „Gefällt mir“ klicken, dann ist das Kopfkino. Zwei Stundenten der Koblenzer Uni wollen, dass möglichst viele Menschen mitlachen.

Geben mit „Socialfail“ den kleinen und großen Ausrutschern in Sozialen Netzwerken eine Plattform: Stefan Schröder (links) und Christopher Walg.
Geben mit „Socialfail“ den kleinen und großen Ausrutschern in Sozialen Netzwerken eine Plattform: Stefan Schröder (links) und Christopher Walg.
Damit das passsieren kann und die kleinen Statusmeldungen aus sozialen Netzwerken eine größere Aufmerksamkeit bekommen, haben Christopher Walg (25) aus Bad Kreuznach und Stefan Schröder (23) aus Koblenz Socialfail.de gegründet. „Fail“ ist im Netz zum Synonym geworden für alles, was schief läuft – und die Seite ist die Sammelstelle für die etwas anderen Mitteilungen aus Facebook, Twitter, Wer-Kennt-Wen & Co.
Walg und Schröder setzen bei ihrer Sammlung witziger und peinlicher Meldungen aus allen bekannten sozialen Netzwerken auf die Hilfe ihrer Leser, die eigene Funde einschicken können. So wächst die Ansammlung an kuriosen und unsinnig-lustigen Meldungen ständig. Ein einfaches Bewertungssystem für alle Besucher, die darüber entscheiden können, wie sehr ihnen die neusten Einsendungen gefallen, generiert eine aktuelle Top- und Flopliste.
Socialfail.de hält seit März den Nutzern Sozialer Netzwerke ein wenig den Spiegel vor und erinnert sie daran, was aus ihren – anonymisierten – Beiträgen werden könnte. Mit Folgen auch bei den Machern: „Seit die Seite online ist, halte ich mich mit eigenen Einträgen in Twitter schon eher zurück“, witzelt Christopher Walg. Ihre Seite hat damit auch einen Finger in eine Wunde gelegt, wie Klaus-Dieter Knoll in seinem Blog kadekmedien.com schreibt. Ein Gespenst mit Namen Kontrollverlust wandere durchs Netz. „Das Internet vergisst nie“ – und Socialfail.de sei da ein neues Ärgernis. Plötzlich wird man wieder mit der eigenen längst vergessenen Statusnachricht konfrontiert und entdeckt darin möglicherweise auch Kompromittierendes. „Das ist einfach die große Gefahr bei Social Media. Jeder sollte sich darüber bewusst sein, was er oder sie da gerade in die Welt rausschrei(b)t und welche Folgen es haben kann“, kommentiert Walg das. Und bei ihnen wird immerhin noch anonymisiert.
Bislang kontrollieren sie jede Einsendung selbst und achten darauf, dass nichts
Rechtswidriges, Sexistisches oder Denunzierendes freigeschaltet wird. Einen Teil der Verantwortung laden sie aber über die Allgemeinen Geschäftsbedingungen bei den Einsendern von Beiträgen ab: Die müssen – zumindest sehen es die AGB so vor – vorher abgeklärt haben, dass der Verfasser einverstanden ist. Ärger gab es bisher noch nicht.
Die Idee zu Socialfail kam den beiden Informationsmanagement-Studenten in der Bibliothek – aus einer Laune heraus: „Wir mussten über manche Meldungen von Freunden so lachen, dass wir im Netz nach einer Seite suchten, die solche Sachen zusammenträgt.“ Sie fanden nur in den USA einige wie www.failbook.com – und bastelten kurzerhand selbst eine deutsche, so Stefan Schröder. An die Popularität von www.smsvongesternnacht.de mit fast 120.000 Freunden bei Facebook haben sie bislang noch nicht anknüpfen können.
Mit großen Zielen sind sie auch nicht an die SAeite gegangen. „Wenn das Projekt abhebt, ist es gut. Wenn nicht, haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt“, sagt Walsch. Ein bis zwei Stunden am Tag beansprucht die Seite, in der Zeit werden rund ein Dutzend neuer Einsendungen bearbeitet. Das Netz dürfte noch ein paar mehr hergeben.

Yannick Schiep/Lars Wienand