Archivierter Artikel vom 24.07.2012, 12:53 Uhr
Koblenz/Hannover

Polizeipanne: Hinweis auf Kinderpornoseite auf Facebook massenhaft verbreitet

Der Polizei Hannover ist bei ihren Ermittlungen zu Kinderpornographie im Internet eine Panne unterlaufen. Die Beamten veröffentlichten den Namen einer Facebook-Seite, auf der sich verdächtige Bilder befanden.

Polizeipanne: Hinweis auf Kinderpornoseite auf Facebook massenhaft verbreitet
Arglos hat die Polizei bei Facebook ihre Leser informieren wollen, dass zu einer Facebookseite mit kinderpornographischen Inhalten die Ermittlungen bereits angelaufen seien: „Ihr braucht uns keine weiteren Anzeigen bezüglich dieser Seite zu schicken“, hieß es. Im gleichen Beitrag wurde allerdings der eindeutig identifizierbare Name der Seite genannt. Das verbreiteten viele weiter.
Foto: Schwarze

Koblenz/Hannover – Der Polizei Hannover ist bei ihren Ermittlungen zu Kinderpornographie im Internet eine Panne unterlaufen. Die Beamten veröffentlichten den Namen einer Facebook-Seite, auf der sich entsprechendes Material befand.

Etliche Facebooknutzer verbreiteten den Namen daraufhin ihrerseits im Netz weiter – und machten die Seite so erst bekannt.

Dabei meinten die Beamten es gut und wollten lediglich darauf aufmerksam machen, dass es unnötig sei, weitere Anzeigen zu erstatten, da die Ermittlungen bereits angelaufen seien. Dabei nannte sie den Namen der Seite im Wortlaut.

Offenbar erst nach einen Hinweis der Rhein-Zeitung und einiger Kommentatoren auf ihrer Facebook-Seite änderte die Polizei ihren Facebookbeitrag und nahm zumindest die klare Bezeichnung der vermeintlichen Kinderpornoseite aus dem Text. Einmal veröffentlicht, ließ sich die Weiterverbreitung des Seitennamens aber kaum mehr stoppen: In den Kommentaren fragten einige Nutzer nach der exakten Bezeichnung der Seite, was von anderen früheren Lesern wiederum teils arglos beantwortet wurde. Die Polizei löschte nun ihrerseits entsprechende Kommentare im Minutentakt.

Es dauerte Stunden, bis die Beiträge samt Kommentaren schließlich komplett versteckt wurden. Auch die eigentliche Facebook-Seite wurde zwischenzeitlich vom Netz genommen. Auf Anfrage der Rhein-Zeitung äußerte sich Facebook nicht näher zu den Umständen der Löschung.

Die Polizei Hannover hat bei Facebook besondere Erfahrungen, weil sie als erste Fahnder bundesweit das Netzwerk für Suchen nach Vermissten einsetzten. Vielfach aus Sympathie für dieses Projekt hat die Polizei bei Facebook mehr als 100.000 „Freunde“ gewonnen. Im Januar wurde das Projekt unter anderem aus Datenschutzgründen kurz unterbrochen. Auf die Panne angesprochen, sagte ein Mitarbeiter der Polizei: „Wie man es macht, macht man es falsch.“

Die Verbreitung, der Erwerb und der Besitz von kinderpornographischen Schriften sind strafbar. „Wer aktiv im Internet nach Kinderpornografie sucht, macht sich wegen versuchter Besitzverschaffung von kinderpornografischen Schriften bereits strafbar, auch wenn die Suche in der Absicht erfolgt, die Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Arbeit zu unterstützen“, informiert unter anderem die Polizei Bayern. Es drohen Strafen von zwei Monaten bis zehn Jahren. Die Bilder seien zwar verwerflich, teilte die Polizei Hannover der Rhein-Zeitung auf Nachfrage mit, aber strafrechtlich nicht relevant. Man bewege sich in einer Grauzone.

Von unserer Reporterin Sandra Elgaß

  • Der Vorfall ausführlich im Blogbeitrag unserer Reporterin Sandra Elgaß