Archivierter Artikel vom 24.08.2010, 16:18 Uhr
Mainz/Berlin

Mainzer Abgeordneter: Bundestag soll für die Medienkompetenz ballern

Selbst noch nie ein Ballerspiel gesehen haben und Medienkompetenz gebetsmühlenartig von Eltern und Lehrern einfordern? Das passt nicht zusammen, sagt der Mainzer FDP-Bundestagsabgeordnete Manuel Höferlin und erklärt so, warum er, Jimmy Schulz (FDP) und Dorothee Bär (CSU) das Parlament zum Spielen bitten.

Der Mainzer Manuel Höferlin (37) sitzt seit Okotber 2009 für die FDP im Bundestag. Jetzt fordert er mit zwei anderen Abgeordneten das Parlament zum Computerspielen.
Der Mainzer Manuel Höferlin (37) sitzt seit Okotber 2009 für die FDP im Bundestag. Jetzt fordert er mit zwei anderen Abgeordneten das Parlament zum Computerspielen.

Mainz/Berlin – Selbst noch nie ein Ballerspiel gesehen haben und Medienkompetenz gebetsmühlenartig von Eltern und Lehrern einfordern? Das passt nicht zusammen, sagt der Mainzer FDP-Bundestagsabgeordnete Manuel Höferlin und erklärt so, warum er, Jimmy Schulz (FDP) und Dorothee Bär (CSU) das Parlament zum Spielen bitten.


Welche Rolle soll die LAN-Party im Bundestag spielen?

Es geht darum, den Kollegen, die bisher noch nicht die Möglichkeit hatten, mal Medienkompetenz zu vermitteln. Es gibt einen Unterschied zwischen meiner Generation, die aufgrund der Lebenserfahrung schon mehr mit Computerspielen in Berührung gekommen sind und einigen, die das noch nicht live erlebt haben. Oftmals wird dann über etwas gesprochen, was man noch nie selbst gesehen und angefasst hat.

Das ist ja auch ein Erfolg für die Lobby der Videospielindustrie, eine der ertragreichsten Unterhaltungsbranchen, oder? Haben die oft gebohrt?

Nein, Ich habe hier keine Anfragen gehabt. Wir sind von uns aus auf die Verbände zugegangen. Das war eine Gemeinschaftsaktion. Dorothee Bär, Jimmy Schulz und ich haben uns die Partner zusammengesucht, die auch vorher schon Aktionen gemacht haben. Zum Beispiel dieses Eltern-LAN, und deshalb haben wir gerne auf das bewährte Konzept zurückgegriffen.


Und jetzt klären scharfe Kritiker der Spiele, die Verbote fordern und E-Mails nur als Ausdrucke lesen, die Streitfrage mit Ihnen bei einer Partie Counterstrike?
Das werden wir sehen. Man kann immer viel kritisieren. Wir haben uns aber gesagt, wenn Moses nicht zum Berg will, der Berg eben mal zu Moses muss. Wir müssen Computerspiele, die zur Lebenswirklichkeit von Kindern, Jugendlichen und anderen Menschen gehören, einfach mal in den Bundestag bringen. Es wurde schon immer gespielt, jetzt eben auch multimedial. Alle Bereiche des Lebens verlagern sich ins Netz. Es ist wichtig, das zu akzeptieren. Wir wollen auch die Vielfalt zeigen. Es gibt ja nicht nur Ego-Shooter-Spiele wie Counterstrike, um die es in der Diskussion immer geht. Darum wollen auch möglichst ein Sportspiel, ein Strategiespiel und ein Wissensspiel anbieten.

Im breiten Volk kommen Forderungen nach einem Verbot der „Killerspiele“ gut an. Da dürften viele Ihren Spielenachmittag nicht verstehen.
Es geht nicht um ein paar Spieler. Es geht darum, dass eine Bevölkerung eine vorgefertigte Meinung hat über etwas, dass sie teilweise gar nicht kennt. Eltern äußern sich nach Info-Veranstaltungen äußerst positiv, weil sie Einblick bekommen haben und dann mit ihren Kindern besser darüber sprechen können. Daher haben wir die Bundeszentrale für politische Bildung als Partner, die solche Veranstaltungen auch schon für Eltern gemacht hat. Wir Politiker verlangen von Eltern und Lehrern immer Medienkompetenz, die sie weitervermitteln sollen. Das kann man auch von den Entscheidungsträgern in der Politik verlangen.

Und Sie spielen sonst auch?
Ich habe während meiner Jugend- und Studienzeit alle möglichen Computerspiele gespielt, auch Ego-Shooter. In den vergangenen Jahren habe ich mehr Flugsimulationen gespielt, auch über das Netz. Im Moment fehlt mir dafür leider Zeit. Das Spielen beschränkt sich eher auf das, was ich dann mit meiner Tochter nicht am PC mache.

Im Bundestag haben sie ja jetzt bald wieder die Gelegenheit. Wie hoch stehen denn Ihre Chancen, die anderen Abgeordneten zu schlagen und bei wem vermuten Sie ein heimliches Talent, so dass er Ihnen gefährlich werden könnte?

Es geht mit nicht darum, die anderen Abgeordneten zu schlagen. Es wird der zusätzliche sportliche Effekt sein, mit dem Spaß den man dort vermittelt, dann auch mal gegeneinander zu spielen und einen Wettkampf zu haben. Aber letztlich ist das nicht der Kern der Sache. Wir wollen zeigen, dass Spielen Spaß machen kann und dass es ein Wettkampfsport ist, aber wir tun es nicht deswegen.

Das Gespräch führte Jannis Kucharz.