Archivierter Artikel vom 22.03.2013, 12:31 Uhr

Langsames Internet für Vielsurfer: Telekom prüft „neue Spielregeln für DSL“

Bonn. Surfern Zuhause könnte künftig passieren, was Nutzer von mobilem Internet schon kennen: Sie werden abgeregelt und sind im Schneckentempo unterwegs, weil sie ein Datenvolumen erschöpft haben. Die Telekom prüft ein solches Modell.

Bonn – Surfern Zuhause könnte künftig passieren, was Nutzer von mobilem Internet schon kennen: Sie werden abgeregelt und sind im Schneckentempo unterwegs, weil sie ein Datenvolumen erschöpft haben. Die Telekom prüft ein solches Modell.

Was Nutzer mobiler Datentarife kennen, könnte künftig auch am heimischen PC blühen: Die Telekom dreht den Hahn weit zu, Internet tröpfelt nur noch. 
Was Nutzer mobiler Datentarife kennen, könnte künftig auch am heimischen PC blühen: Die Telekom dreht den Hahn weit zu, Internet tröpfelt nur noch.
„DSL wie Drossel“ hatten die Macher des Podcasts fanboys.fm ihren Beitrag überschrieben, in dem einiger Zündstoff steckt und die sofort großen Wirbel im Netz auslösten. Ihnen sind offenbar vertrauliche Telekompläne zugespielt worden, die die Telekom inzwischen bestätigt hat.

Das Unternehmen prüft, ob künftig das Datenvolumen in Verträgen begrenzt wird – anders als bei echten Flatrates. Hat ein Nutzer also eine gewisse Datenmenge verbraucht, wird das Internet deutlich langsamer. 384 KBit/s – so schreiben fanboys.fm. Ein Nutzer steht dann vor der Wahl, ein neues Datenvolumen hinzuzukaufen – wie das für viele Handynutzer bereits jetzt üblich ist. Im DSL wäre das aber ein Paradigmenwechsel. „Neue Spielregeln für DSL“, schreibt die Telekom selbst über einen entsprechenden Blogbeitrag. Die Regelung würde nur für Neuverträge gelten.

Während fanboys.fm meldet, dass die Regelung zum 2. Mai kommen soll, bestätigt die Telekom zwar „die Überlegungen“. Aber: „Bisher gibt es keine neuen Tarife. Wenn sich daran etwas ändert, werden wir darüber informieren.“ Unter dem Blogbeitrag kommentieren Nutzer überwiegend kritisch. Einige fürchten ebreits das Ende der Netzneutralität – wenn die Telekom dann nämlich Partner ausnehme, also z.B.YouTube-Nutzung nicht auf das Datenvolumen angerechnet würde. Im mobilen Internet bietet die Telekom das mit dem Musikstreamingdienst Spotify an.

Die Telekom wirbt aber bereits um Verständnis für die Idee: Das Modell habe den Vorteil, dass nur Surfer zahlen müssten, die viel Volumen verbrauchen. „Bisher ist es so, dass sämtliche Nutzer die intensivere Nutzung einiger quersubventionieren.“

Deutlich wird aber auch, dass es der Telekom weniger um mehr Gerechtigkeit geht. Sie hebt auch hervor, dass das Datenvolumen ständig steigt, während die Preise laufend fallen. Auch die Telekom steh da vor einer „großen Herausforderung“. Im Beitrag von Fanboys.fm ist aus den Telekomunterlagen auch zu ersehen, bei welchem Vertrag angebliches welches Datenvolumen vorgesehen ist.

Ein Sprecher von 1&1 erklärte, dort gebe es solche Pläne nicht.

Update: 1&1 bietet einen solchen Tarif bereits an, wie das Unternehmen nach mehreren Hinweisen an unsere Zeitung auf Twitter bestätigte. Bereits seit dem Sommer 2010 gibt es ein Angebot, das eine Drosselung ab 100 Gigabyte pro Monat vorsieht. Dieser Tarif für 20 Euro „ist aber der einzige Tarif mit Bandbreitenbeschränkung und wird es auch bleiben.“

Von Lars Wienand

Autor:
Lars Wienand
(Mail, )

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