Archivierter Artikel vom 28.12.2010, 10:40 Uhr
Köln/Berlin

Hacker legen ARD und FDP Eier ins Nest

Eine „Eul-Meldung“ um ein vermeintlich versuchtes Paket im Kölner Dom auf der Startseite der ARD, ein Föhn-Foto als Lieferant für eine Westerwelle-Rede auf den Seiten des FDP-Shops: Während des 27.Chaos Communication Congresses des Chaos Computer Clubs spukt es im Netz.

Lesezeit: 3 Minuten

Eulige Meldung auf der Startseite von DasErste.de. Die ARD hat bestätigt, dass es sich um einen Hackerangriff gehandelt hat.

Mehr als heiße Luft auf den Seiten des FDP-Shops: Hacker haben da peinliche Grüße hinterlassen.

„Kondom-Erlaubnis“ auf den Vatikan-Seiten.

Screenshot

Kunden im Shop von web.de dürften seeehr irritiert geschaut haben...

Screenshot

Gelandet in Frieden – auf den Berliner Flughäfen...

Screenshot

Ein Hacker-Besuch „in Frieden“ auch auf den Unterstützerseiten My.barackobama.com des Friedensnobelpreisträgers...

Screenshot

...sowie beim Nobelpreis-Komitee selbst.

Screenshot

Mit Wucht sind die Hacker auf den Seiten von Ilse Aigner gelandet. Ihr erging es nicht anders als etwa einer Unterseite der Landtage von Hessen, Saarland und NRW.

Screenshot

Köln/Berlin – Eine „Eul-Meldung“ um ein vermeintlich versuchtes Paket im Kölner Dom auf der Startseite der ARD, ein Föhn-Foto als Lieferant für eine Westerwelle-Rede auf den Seiten des FDP-Shops: Während des 27.Chaos Communication Congresses des Chaos Computer Clubs spukt es im Netz.

Hohn und Spott waren der ARD sicher: In Windeseile verbreitete sich die Kunde von der Unfugsmeldung auf der Startseite von DasErste.de etwa durch den Blog von Medienjournalist Stefan Niggemeier. Da war das Foto eines Greifvogels zu einem Text mit der Überschrift „Eilmeldung: Verseuchtes Paket im Kölner Dom gefunden.“ Im Text stand deutlich erkennbarer Quatsch: Eine dort gefundene tote Eule sei von einem Sack Reis erschlagen worden.

Die Programmdirektion in München lieferte unserer Zeitung am Dienstag die Erklärung: „Tatsächlich wurde DasErste.de am Abend Ziel eines Hackerangriffs“, so Sprecherin Susanne Solau. „Unser Systemadministrator hat die Sicherheitslücke bereits geschlossen.“ Solau zeigt Humor: „Entgegen der im Web kursierenden Gerüchte können wir zu viel Glühweinkonsum in der Redaktion ausschließen.“

Die Seite war Opfer eines „Defacements“ geworden, wie sich das Verunstalten von Internetseiten nennt. Beim Chaos Communication Congress wird inzwischen eine Liste solcher erfolgreicher Attacken und weiterer Hacks geführt. Getroffen hat es nicht nur eine Seite des Vatikan, auf der dann ein Titanic-Text für eine „Kondom-Genehmigung“ stand, auf einer Seite des Nobelpreis-Komitees fand sich eine Taube und das Kongress-Motto „We come in Peace“. Bei Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fand sich ebenso ein Gruß wie auf einem Shop der Bundes-CDU. Auf der Liste von Zielen waren auch noch Seiten rechter Organisationen und Parteien, der Organisation „Innocence in Danger“ um die Ministergattin Stephanie zu Guttenberg oder auch der Gema.

Der CDU war es mit ihrem Shop längst nicht so arg ergangen wie einem Shop mit FDP-Werbemitteln. „Verziert“ war fdp-shop.de zugleich mit einem Foto eines Handföhns offenbar auf einer öffentlichen Toilette, versehen mit dem Satz „Rede von Guido Westerwelle? Hier drücken!“. Eine Pfeil zeigt auf den Start-Knopf, der für die heiße Luft sorgt.

Die Hacker weisen darauf hin, dass sie alle Kundendaten als Backup gesichert haben – peinlich für den FDP-Shop, wenn es so zutrifft.

„Wir können das noch nicht beurteilen“, sagte Jörg von Groeling-Müller, Gründer des in Bremen sitzenden Shops, der die Seite dann sperren ließ. „Aber ich finde so ein Vorgehen erbärmlich – egal, ob es um Graffiti, Diebstahl oder andere Straftaten geht, bei denen eine Firma geschädigt wird.“ Während auf der Seite von den Hackern eine Botschaft hinterlassen war „Wer nicht hören will...“, erklärt von Groeling-Müller, dass es keine Kontaktaufnahme mit ihm gegeben habe. „Wenn es darum geht, auf ein mögliches Sicherheitsproblem aufmerksam zu machen und man um ein Problem weiß, kann ,an direkt die Leute kontaktieren und muss doch nicht jemanden so vorführen.“

Hier gehe es nicht um Sicherheitsfragen, sondern um politische Motive. „Das hat eher politische Hintergründe.“ Die Seite FDP-Shop von Groeling-Müllers Firma GMK Werbemittel GbR ist keine offizielle FDP-Seite, dorthin wie zu der Seite eines Wettbewerbers wird aber von der FDP verlinkt.

Lars Wienand