Archivierter Artikel vom 30.06.2017, 16:46 Uhr

Eine Sängerin in der Traditionslinie der ganz großen Vorbilder

Die fünffache Grammy-Gewinnerin, die von George Clooney für seinen Film „Good Night, and Good Luck“ (2005) als Titelsängerin engagiert wurde, besitzt eine ausdrucksstarke Altstimme, die Höhen und Tiefen locker meistert. Dissonantes wird nie aus ihrem Mund dringen. Ihr Organ bewältigt Oktavsprünge, als ob sie virtuos auf dem Seil tanzt.

In ihrer Kehle setzt sich die Gesangstradition in einer Linie von Meisterinnen wie Billie Holiday, Dinah Washington, Sarah Vaughan oder auch Ella Fitzgerald nahtlos fort. Wie manche ihrer Vorbilder beherrscht sie den Scat-Gesang mit seinen virtuos aneinandergereihten Silbenfolgen, verfügt über einen schier endlosen Atem und ist Könnerin im nuancierten Phrasieren, gekrönt von lupenreiner Intonation und großem Improvisationsgeschick. Dazu ist ihr Timbre unverwechselbar, und trotz ihrer stets schönen Vokalpräsentation, dem italienischen Opernbelcanto nicht unähnlich, kann Dianne Reeves in die tiefsten Bluestiefen eintauchen oder die rasenden Bebop-Melodien ausschmücken. Michael Schaust