Archivierter Artikel vom 09.01.2016, 13:30 Uhr
Bad Homburg

Zapfen wie zu Opas Zeiten: Historische Tankstelle wieder aufgebaut

Es gab einmal eine Zeit, da mussten Autofahrer an der Zapfsäule nicht selbst zum Schlauch greifen. Tankwarte übernahmen das, und die trugen sogar Schlips. Eine Zeitreise zurück in die Wirtschaftswunderjahre kann man in Bad Homburg erleben.

Von Sabine Maurer (dpa)

Der Liter Benzin kostete nur wenige Pfennige, mit zwei Zapfsäulen galt die Tankstelle schon als groß, und die Angestellten trugen Overall, Schlips und Kappe. So sah es vor über 60 Jahren an den Tankstellen aus. Und die waren viel schöner als die modernen Anlagen heutzutage, meint zumindest Fritz Schmidt junior. Er ist ein Fan historischer Tankstellen. Im Gewerbegebiet von Bad Homburg (Hochtaunuskreis) hat der Oldtimer-Fan eine alte Gasolin-Tankstelle wieder aufgebaut. Allerdings darf sie nur angeschaut werden, zum Tanken wird sie wegen der veralteten Technik nicht genutzt. Nach Auskunft des Landesamts für Denkmalpflege in Wiesbaden existieren in Hessen etwa 20 historische Tankstellen.

Tanken konnte man an „jeder Ecke“

Die frühere Tankstellenkette Gasolin existierte bis Anfang der 1970er Jahre. Damals gab es laut ADAC deutschlandweit noch über 40.000 Tankstellen. Heute sind es noch etwa 14 000 Anlagen. Anfang der 1970er Jahre begann die Zeit der Selbstbedienung – seitdem tankt der Autofahrer in der Regel selbst, der Tankwart verschwand langsam von der Bildfläche.

In Bad Homburg steht die restaurierte Tankstelle auf dem Gelände des Automuseums Central Garage. “Das Tankstellenhäuschen habe ich zufällig im Westerwald entdeckt. Es war völlig verwahrlost und stand in einem Garten„, erzählt Schmidt, der in Rüsselsheim lebt. Das war vor über zwei Jahren, in mühsamer Kleinarbeit hat er das rundherum verglaste Häuschen wieder auf Vordermann gebracht und mit viel Liebe zum Detail originalgetreu eingerichtet.

Auf ein paar Quadratmetern

Im Gegensatz zu den heutigen Gebäuden ist es nur wenige Quadratmeter groß, dort wurde in der Regel nur bezahlt und nicht noch zusätzlich eingekauft. Auf dem knallrot lackierten Tisch des Tankwarts steht eine alte Registrierkasse, daneben sind Quittungsblöcke und Streichholzschachteln drapiert. Und es durfte natürlich geraucht werden: Auf der Ablage dahinter liegt eine angerauchte und längst erkaltete Zigarre im Aschenbecher mit dem Gasolin-Logo.

“Werbegeschenke gab es schon damals„, sagt Schmidt und zeigt auf die Gasolin-Würfelspiele und -Bälle für Kinder auf der Ablage. An einem Haken hängt der graue Overall, wie ihn viele Tankwarte in den 1950er Jahren trugen, darüber die obligatorische Kappe. Alle Einzelstücke hat Schmidt nach und nach zusammengesucht, darunter auch die Mitarbeitermagazine von Gasolin. In einem Artikel unter der Überschrift “Von gutem Verkauf" werden Tipps für den richtigen Umgang mit Kunden gegeben. Außerdem gibt es ein Preisausschreiben extra für Tankwartlehrlinge.