Archivierter Artikel vom 05.01.2016, 22:33 Uhr

Warum Maria Lichtmess keine Rolle spielt und es total egal ist, wann der Weihnachtsbaum verschwindet

Der Weihnachtsbaum ist ein Symbol der Weihnachtszeit. Wenn er aus den Wohnungen verschwindet, dann bedeutet das auch immer das Ende der Festtage. Manche lassen den Baum bis zum 2. Februar stehen, bis Maria Lichtmess. Das Fest ist aber seit Mitte der 1960er-Jahre nicht mehr offizielles Ende der Weihnachtszeit.

Foto: Klaus Eppele

Von unserer Reporterin Sarah Kern

Steht der Baum noch bei Ihnen im Wohnzimmer? Zu Beginn der Adventszeit sind wir ja so weihnachtseuphorisch, ein bisschen adventsgefühlsduselig, kaufen einen Baum, schmücken ihn, freuen uns auf das Fest. Vier Wochen haben wir darauf hingearbeitet, auf Weihnachten, Glühwein getrunken, Geschenke verpackt. Und der Baum hat die Wohnung behaglich und gemütlich gemacht. Irgendwann fängt er zu nadeln an. Und nervt. Oder etwa nicht?

Das haben wir auf unserer Facebook-Seite der Rhein-Zeitung gefragt und wollten noch mehr wissen: Wann fliegt der Baum bei Ihnen raus? Die Meinungen über den richtigen Zeitpunkt, wann denn Schluss sein soll mit Christbaum und Lametta, gehen ziemlich weit auseinander.

„Ich kann es nach Weihnachten schon nicht mehr sehen, und ich gebe es zu, vor Silvester fliegt schon alles raus“, schreibt eine Leserin. Und eine andere fügt hinzu: „Der Baum wird bei uns immer am zweiten Weihnachtsfeiertag vor die Tür gesetzt.“ Eine andere Frau schreibt: „Am 26. Dezember abends kommt die ganze Weihnachtsdekoration wieder in die Kisten und in den Keller.“

Umfrage
Muss der Baum schon raus?

Weihnachten ist vorbei, Silvester auch – das neue Jahr ist da. Wie sieht es bei ihnen im Wohnzimmer aus – steht der Tannenbaum noch?

Nein, den habe ich schon entsorgt.
20%
104 Stimmen
Ja, der bleibt bis zum 6. Januar, bis zum Heilgen-Drei-Königstag.
51%
263 Stimmen
Der steht noch bis Maria Lichtmess am 2. Februar.
23%
118 Stimmen
Ich will den gar nicht loswerden, kann nicht das ganze Jahr Weihnachten sein? :-)
6%
29 Stimmen

So einen kurzen Prozess machen aber nicht alle. Viele nennen auf Facebook ein Datum, das auf den christlichen Hintergrund des Tannenbaums in der Weihnachtszeit verweisen soll: Maria Lichtmess am 2. Februar. Eine Facebook-Nutzerin schreibt dazu: „Dafür, dass wir den Weihnachtsbaum erst am 23. oder 24. Dezember aufstellen, darf er bis zum 2. Februar stehen, Lichtmess. Alte katholische Tradition.“ So sieht es auch eine andere Leserin: „Ich mache mir doch nicht solche Arbeit für ein paar Feiertage. Schließlich sind doch jetzt die Weihnachtswochen bis Maria Lichtmess, dann erst ist die Weihnachtszeit vorbei.“

Das war einmal – bis zum Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965, erklärt Judith Rupp, stellvertretende Pressesprecherin des Bistums Trier: „Maria Lichtmess gehört nicht zur Weihnachtszeit.“ Im biblischen Kontext gehe es dabei – ganz kurz und knapp gesagt – um ein Lichterfest. Das Jesuskind hat demnach die Heiden erleuchtet.

Eine Auskunft zum Ende der Weihnachtszeit bietet ein Blick ins römische Messbuch, sagt Rupp. Dort steht: „Die Weihnachtszeit reicht von der ersten Vesper der Geburt des Herrn bis zum Sonntag nach Erscheinung.“ Der Sonntag nach Erscheinung des Herrn ist der Sonntag nach den Heiligen Drei Königen, also der 10. Januar in diesem Jahr. Dann verschwindet auch der Tannenbaum aus der Wohnung bei der Mehrheit der Menschen, die auf unserer Facebook-Seite debattiert und bei unserer Umfrage mitgemacht haben. „Selbstverständlich steht der Baum noch. Die Sternsinger kommen erst, und danach räume ich alles weg“, kommentiert jemand. Zehn weitere finden das gut und klicken auf: „gefällt mir“.

Aber im Grunde ist es doch eigentlich vollkommen egal, wann der Baum verschwindet. Auch die Kirche sieht das total entspannt: „Es gibt nicht das eine Datum, wo wir sagen: Jetzt ist Schluss mit Weihnachten“, sagt Bistumssprecherin Rupp. „Die meisten fügen sich eh den Abholterminen der einzelnen Verwaltungen. Und da geht es nach dem Sternsingertag los.“