Archivierter Artikel vom 27.08.2015, 16:01 Uhr

Studie: Immer mehr Menschen im Freizeitstress

Fernsehen, Radio, Telefon, Internet – Hauptsache bequem. So verbringen die Deutschen einer neuen Studie zufolge ihre Freizeit. Doch richtig zufrieden sind sie damit nicht: Viele würden gern häufiger ganz andere Dinge machen, sagen die Forscher.

Berlin/Hamburg (epd). Fernsehen bleibt die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen, gefolgt von Radiohören und Telefonieren. Vor dem Fernseher zu sitzen, liege seit 25 Jahren „unangefochten auf Platz eins“, sagte der wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt, bei der Vorstellung des Freizeitmonitors 2015 am Donnerstag in Berlin. Für die repräsentative Studie wurden persönliche Interviews mit 2.000 Personen ab 14 Jahren geführt.

97 Prozent der Bundesbürger schalten demnach regelmäßig das TV-Gerät an und 90 Prozent das Radio. 89 Prozent telefonieren regelmäßig zu Hause. Bei der ersten Studie 1981 lag der Fernsehkonsum der damals nur drei öffentlich-rechtlichen Programme mit 67 Prozent noch auf Platz vier hinter Zeitunglesen, Hand- und Gartenarbeit. Insgesamt habe sich die Freizeitgestaltung seitdem stark verändert, sagte Reinhardt: „Die Dominanz der Medien setzt sich fort.“

So hat der Studie zufolge die Internetnutzung stark zugenommen und das Zeitunglesen (72 Prozent) von Rang vier verdrängt. Während 1998 nur drei Prozent der Bevölkerung regelmäßig online waren, sind es mittlerweile 73 Prozent, bei den 14- bis 24-Jährigen sogar 99 Prozent. Bei den über 65-Jährigen nutzen inzwischen 35 Prozent regelmäßig das Internet. Das entspricht einem Anstieg um 21 Prozentpunkte innerhalb von fünf Jahren.

Auf Platz sechs der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen landet „Gedanken nachgehen“ (71 Prozent), auf dem achten Platz steht gemeinsame Zeit mit dem Partner (68 Prozent), Platz neun belegt das Ausschlafen (65 Prozent). Am Ende der aktuellen Freizeitliste stehen Faulenzen (44 Prozent) sowie Kaffeetrinken und Kuchenessen (52 Prozent).

Doch die Deutschen tun in ihrer Freizeit nicht unbedingt das, was sie eigentlich möchten: 68 Prozent sagen, sie würden gern häufiger spontan machen, wozu sie Lust haben. Auf Platz zwei steht der Wunsch, ausschlafen zu können (64 Prozent). Auf Platz drei der zu kurz gekommenen Freizeitbeschäftigungen rangieren Wochenendfahrten, Tagesausflüge, gemeinsame Unternehmungen mit Freunden und Restaurantbesuche (jeweils 60 Prozent).

Viele Bundesbürger gestalteten ihre Freizeit offensichtlich nicht nach ihren Bedürfnissen, sagte Reinhardt. Doch auch die Freizeit sei durch die Routine des Alltags geprägt und vom Bedürfnis nach Bequemlichkeit, betonte der Wissenschaftler: „Die meisten Bundesbürger wollen sich in der Freizeit passiv berieseln lassen.“

Und die Deutschen stehen auch nach der Arbeit unter Stress. Weniger als die Hälfte schaffe es, danach sofort abzuschalten, sagte Reinhardt. Acht Prozent hätten angegeben, für sie gebe es nie wirklich Feierabend und Zeit zur Erholung. Auffallend viele Selbstständige seien darunter – und viele Hausfrauen: Mehr als ein Viertel der Hausfrauen habe praktisch nie Freizeit, sagte der Wissenschaftler.

Erstmals haben die Forscher in diesem Jahr auch eine „Blacklist“ der unbeliebtesten Freizeitbeschäftigungen vorgelegt, die von den Befragten nie ausgeübt werden. Sie reicht von Spielhallenbesuchen (90 Prozent) über E-Book-Lesen (79 Prozent), Campen (74 Prozent) und Besuche im Fitnessstudio (71 Prozent) bis zum Besuch von Theater, Oper und Ballett (54 Prozent). Immer mehr Bundesbürger würden „der Hochkultur abschwören“, sagte Reinhardt: „Das gilt leider auch für das Ehrenamt.“ 59 Prozent der Deutschen engagieren sich demnach nie ehrenamtlich für andere.