Archivierter Artikel vom 26.07.2011, 13:14 Uhr
Salzburg

Salzburger Festspiele – das kleine Festspiel-ABC

Die Salzburger Festspiele sind eine Welt für sich. Das kleine Festspiel-ABC – zur leichteren Orientierung.

A – Applaus: Grundton des fünfwöchigen Festivals. In Salzburg nicht immer leicht erworben, und richtig verdient erst im Wettstreit mit sonoren Buh-Rufen.

B – Buhlschaft: Kaum Text, kaum Interpretationsmöglichkeit, aber 1001 Kameras. Bindeglied zwischen Kunst und Klatsch. Schillernde Ahnenreihe: Von Judith Holzmeister über Christiane Hörbiger, Senta Berger und Nadja Tiller bis Veronika Ferres und Birgit Minichmayr.

C – Charity: Gehört zum guten Ton. Wer 370 Euro für eine Opernpremiere hinlegt, hat auch noch das nötige Kleingeld in der Tasche, um Gutes zu tun oder die Festspiele selbst ein wenig zu unterstützen.

D – Dirndl: War vielleicht zur Karajan-Zeit noch eine Möglichkeit. Heute absolutes No-Go. Designerkleidung eignet sich besser zum Flanieren im Festspielbezirk. Zur Not geht auch klassisches Kulturschwarz.

E – Entdeckung: Nehmen die Festspiele gerne für sich in Anspruch. Andererseits ist das Etikett „Salzburger Festspiele“ für aufsteigende Künstler immer ein Adelsprädikat.

F – Fächer: Reichlich barockes Utensil, aber gar nicht so von gestern, leistet es doch in der Hitze des Kulturgefechts wirklich gute Dienste. Manchmal besinnen sich Sponsoren darauf und verteilen die edlen Stücke an dankbare Smokingträger.

G – Glanz und Glamour: Hoch- oder Geldadel, Kunst- oder Klatschprominenz, Politik oder Wirtschaft – der Festspielbezirk führt sie alle zusammen. Wer schon nicht in Bayreuth gesehen wird, muss zumindest an der Salzach abgelichtet werden.

H – Hofmannsthal: Möglicherweise hatte er sich so manches ganz anders vorgestellt, als er für ein noch zu gründendes barockes Welttheater seinen „Jedermann“ schuf.

I – Insidertipps. Wenn man sie endlich bekommt, ist es schon zu spät.

J – Jedermann. So unvermeidlich wie der Tod, der Ersterem zu plötzlicher moralischer Läuterung verhilft. Theatralisches Herzstück der Festspiele. Fast so alt wie der Text allerdings ist die Diskussion, ob es wirklich ein Theaterstück ist.

K – Krimpelstätter: Wer zur Premierenfeier des „Jedermann“ hierher geladen ist, gehört dazu. Der Bieranstich ist der Prüfstein für Künstler, ob sie auch im realen Leben bestehen.

L – Luxus? Nein! „Nicht Luxusmittel für die Reichen und Saturierten, sondern ein Lebensmittel für die Bedürftigen“ sollten die Festspiele sein. Das wünschte sich kein Geringerer als Mitbegründer Max Reinhardt.

M – Mönchsberg: Riesiger Felsen, der seinen Schatten über die Altstadt wirft. Bietet oben Platz für ein Museum, innen Platz für viele Autos und dann noch Platz für Oper: Barockbaumeister Fischer von Erlach schuf die Arena der Felsenreitschule mit 96 Arkaden auf drei Stockwerken, in der zunächst Reitvorführungen und Tierhatzen veranstaltet wurden.

N – Nepp: Oder wie soll man es nennen, wenn es in manchen Hotels nicht nur Vor- und Hauptsaison, sondern dann auch noch eine Festspiel-Saison mit noch mal gesteigerten Preisen gibt?

O – Oper: Dreh- und Angelpunkt der Festspiele. Am Erfolg ihrer Inszenierungen von Mozart-Opern muss sich jede Intendanz messen lassen. Noch immer zehrt das Festival vom Mozartjahr 2006, als alle Bühnenwerke szenisch gezeigt wurden.

P – Perner-Insel in Hallein. Die ehemalige Saline ist der Spielort, an den das Schauspiel seine experimentellen Produktionen auslagert.

Q – Querelen: Ohne geht es nicht. In diesem Jahr ging es um die Eröffnungsrede, die ursprünglich der Intellektuelle Jean Ziegler halten sollte. Als er ausgeladen wurde, vermutete der Globalisierungskritiker, potente Geldgeber aus der Schweiz könnten interveniert haben.

R – Rabl-Stadler, Helga: Die Salzburgerin ist Langzeit-Präsidentin der Festspiele, überdauerte bereits die Intendanz Mortier, und ein Ende ihrer Regentschaft ist nicht abzusehen.

S – Sponsoren: Tragen wesentlich zur Existenz des Festivals bei, verlangen dafür nur den nötigen Respekt in Form omnipräsenter Logos und dezenter Limousinen-Konvois im Festspielbezirk.

T -Trophäe: Wer als Komparse mitwirkt, zweigt sich gerne ein kleines Andenken ab. Legendär etwa die Augenmasken oder Flügel aus der Skandal-Aufführung von Hans Neuenfels' „Fledermaus“-Inszenierung von 2001. Wer davon noch ein paar zu Hause hat, ist wirklich ein alter Hase.

U – Uraufführung: Immer wieder vehement gefordert, vor allem in der Oper. In den vergangenen Jahren leistete sich das Festival diesen risikoreichen Luxus zweimal: Hans Werner Henze und Wolfgang Rihm kamen zum Zuge.

V – Venusbrüstchen: Delikate Nascherei mit marinierten Kastanien, Nougat und Weichselcreme, zusammengehalten von einem Hauch Schokolade. Gibt an langen Opernabenden den nötigen Zuckerschub fürs Durchhalten.

W – Wolke: Auf der sitzt in der Vorstellungswelt der Hüter der Werktreue der berühmte Sohn der Stadt, Wolfgang Amadeus Mozart, und hält Wache über sein Erbe.

X – Xenophobie: Die Fremden, die da in ihre Stadt einfielen, um Kunst zu machen und zu sehen, waren den Salzburgern meist auch ein bisschen suspekt. Schufen sich die Festspiele unter den Gründervätern zunehmend internationalen Ruf, schafften es die Nationalsozialisten, durch Vertreibung der jüdischen und zeitgenössischen Künstler das Festival für einige Jahre in die Bedeutungslosigkeit zu manövrieren.

Y – Young Directors Project, Young Singers Project, Young Conductors Award: Zunehmend kommen junge, noch nicht etablierte Künstler an die Salzach. Mitunter der Beginn einer internationalen Karriere.

Z – Zahlen sprechen für sich (2010): 37 Spieltage, 186 Veranstaltungen, 250 817 Besucher, knapp 95 Prozent Auslastung, 49 Millionen Euro Budget, 13,6 Millionen Euro Subventionen, 191 ständige Mitarbeiter, in der Saison 2897.