Archivierter Artikel vom 05.10.2014, 21:15 Uhr
Overath

Peer Augustinski gestorben: Jetzt ist auch Robin Williams deutsche Stimme verstummt

An Peer Augustinski kam eigentlich kein Fernsehzuschauer vorbei: In den 70ern gestartet mit „Klimbim“, machte der Schauspieler über 30 Jahre lang Karriere – auch als deutsche Stimme von Robin Williams. Er starb am Freitag im Alter von 74 Jahren.

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Nur noch zwei der fünf „Klimbims“ leben noch. Die Familienmitglieder im Bild hinten (von links): Elisabeth Volkmann (✝) und Ingrid Steeger (hinten). Vorne: Horst Jüssen (✝), Peer Augustinski(✝) und Wichart von Roell aufgenommen vor zehn Jahren in München bei Proben zum Theaterstück „Die Klimbim- Familie lebt“.

dpa (m)

Peer Augustinski als Steuerfahnder schaut Elisabeth Volkmann als Jolante von Scheußlich in den Ausschnitt. Aufgenommen 2005 im Deutschen Theater in Hamburg.

Horst Jüssen (l- r), Ingrid Steeger, Peer Augustinski, Elisabeth Volkmann und Wichart von Roell tanzen bei Proben im Deutschen Theater in Hamburg (2005).

13 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Kamera-Auftritt trifft sich die “Klimbim- Familie„ mit ihren Darstellern Wichart von Roell, Elisabeth Volkmann, Horst Jüssen, Ingrid Steeger und Peer Augustinski (v. l) 2002 in Köln.

Peer Augustinski

Von Helge Toben (dpa)

Mal war er der verklemmte Kurschatten, dann der streng gescheitelte Steuerbeamte oder der goldkettchenbehängte Zuhälter: Die Rollen in der Comedy-Serie “Klimbim„ machten Peer Augustinski in den 70er Jahren in Deutschland berühmt. Am Freitag starb der Schauspieler im Alter von 74 Jahren, wie am Sonntag bekannt wurde. 2005 hatte er einen schweren Schlaganfall erlitten, sich aber in den Folgejahren zurückgekämpft.

In Berlin geboren, wuchs er in Ostdeutschland auf, 1957 ging es im Westen weiter. An der Max-Reinhardt-Schauspielschule lernte er die Bühnenkunst. Er spielte an mehreren Theatern, bis er Mitte der 70er zum Fernsehen kam. In den Jahren des Dreikanalfernsehens kannte ein Millionenpublikum seine Rollen in “Klimbim„.

Zeitzeugen erinnern sich gern an den frisch-frivolen Humor, an den militanten Opa Benedikt und die schrille Mutter Jolante. Die Serie mit Ingrid Steeger, der 2006 gestorbenen Elisabeth Volkmann und Wichart von Roëll gilt heute als Mutter aller Comedy-Shows.

Viele Rollen und viele Engagements als Synchronsprecher

Trotz des großen “Klimbim„-Erfolgs schaffte es Augustinski, sich nicht auf das Komödiantische festlegen zu lassen. So übernahm er etwa viele Rollen in Krimiserien wie “Derrick„ oder “Der Alte„. Noch zu “Klimbim„-Zeiten begann er eine Parallel-Karriere als Synchronsprecher.

Die Synchronrolle seines Lebens bekam er in den späten 80ern, als er die deutsche Stimme des US-Schauspielers Robin Williams (“Der Club der toten Dichter„) wurde. In rund 40 Filmen synchronisierte er den diesen Sommer gestorbenen Schauspieler, zuletzt 2009. In Serien lieh er ebenfalls Kollegen seine Stimme, so etwa ein Dutzend Mal Barry Humphries in “Ally McBeal„. Auch als Sprecher machte er sich einen Namen. So übernahm er für die Aufnahme einer Hörbibel die Rolle des Pilatus.

Rückkehr auf die Bühne nach schwerem Schlaganfall

Im November 2005 erlitt Augustinski während einer Hörbuch-Produktion einen schweren Schlaganfall. Seitdem war er halbseitig gelähmt und pflegebedürftig, kämpfte sich aber zurück. In mehreren Talkshows sprach er offen über den Schicksalsschlag. Auch ein Buch schrieb er darüber. Es trägt den Titel “Aus heiterem Himmel: Mein bewegtes Leben vor und nach dem Schlaganfall„. Vorher habe er gelebt, als ob alles immer so weitergehen würde, sagte er 2008. “Wenn man Erfolg hat und dazu noch ein schönes Privatleben, dann denkt man sich: Was soll mir schon passieren?„

Augustinski war in zweiter Ehe verheiratet und lebte in der Nähe von Köln. 2011 schaffte er es zurück auf die Bühne: Im Fernsehen war er in der Komödie “Alles auf Krankenschein„ zu sehen. Darin spielte er einen nervigen Patienten im Rollstuhl. Auch mit Ingrid Steeger trat er nochmal auf: im Dezember 2011 bei einer Weihnachtslesung. Mit seiner einstigen “Klimbim"-Kollegin war Augustinski im Dezember 2013 auch bei Markus Lanz zu Gast.

dpa