Archivierter Artikel vom 13.04.2015, 11:13 Uhr
Lübeck

Literaturnobelpreisträger Günter Grass gestorben

Günter Grass ist tot. Der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger starb am Montag im Alter von 87 Jahren in Lübeck, teilte der Steidl Verlag in Göttingen mit. Grass galt als einer der weltweit bedeutendsten deutsche Autoren der Gegenwart.

Mit der „Blechtrommel“ schrieb Günter GrassWeltliteratur, als gesellschaftspolitischer Moralist erregte er Widerspruch. Am 13. April 2015 ist der große deutsche Nachkriegsautor und Nobelpreisträger mit 87 Jahren in Lübeck gestorben. Foto: dpa

Der Schriftsteller Günter Grass am 10. März 2010 im Günter-Grass-Haus in Lübeck während eines Gesprächs. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Günter Grass und seine Frau Ute warten am 27 Oktober 2007 auf den Beginn eines Festaktes zu seinem 80. Geburtstag in Lübeck. Foto: Ulrich Perrey/dpa

Schriftsteller Günter Grass spielt am 27. Juni 2000 vor seinem Elternhaus in Danzig bei einer Parade auf einer Blechtrommel. Grass schrieb die “Blechtrommel" – einer der wichtigsten Romane der deutschen Nachkriegsliteratur. Foto: dpa

Der schwedische König Carl XVI. Gustaf (rechts) überreicht am 10. Dezember 1999 bei einer feierlichen Zeremonie im Konzerthaus in Stockholm den Nobelpreis für Literatur an den deutschen Schriftsteller Günter Grass. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Günter Grass, aufgenommen am 18. Oktober 1997, auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: Katja Lenzt/dpa

Schriftsteller Günter Grass, aufgenommen am 11. Dezember 1988 auf dem Kongress des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Stuttgart. Foto: Norbert Försterling/dpa

Der Schriftsteller Günter Grass (links) im Gespräch mit Bundeskanzler Helmut Schmidt (rechts) und Altkanzler Willy Brandt auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin am 1. Dezember 1979. Foto: Konrad Giehr/dpa

Heinrich Böll (von links), Günter Grass und der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) sitzen am 21. November 1970 während des 1. Kongresses des Verbandes Deutscher Schriftsteller in der Stuttgarter Liederhalle. Foto: dpa

Der Schriftsteller und spätere Nobelpreisträger für Literatur, Günter Grass, kümmert sich am 9., Juni 1969 in Bonn um die gefüllten Tomaten auf Paprika. Grass kochte für seine Mitarbeiter, Journalisten und Politiker. Foto: Horst Ossinger/dpa

Der Schriftsteller Günter Grass steht am 16. September 1965 vor der angekohlten Tür seines Hauses in Berlin-Friedenau. Foto: dpa

Lebenslang schaltete er sich leidenschaftlich in gesellschaftspolitische Debatten ein. Gleich sein erster, 1959 erschienener Roman „Die Blechtrommel“ geriet zum Welterfolg. 40 Jahre später wurde Grass für sein Gesamtwerk mit dem Literaturnobelpreis geehrt.

„Die Blechtrommel“ brachte dem gebürtigen Danziger auch international den Durchbruch. Sie gehört zu den wichtigsten Romanen der deutschen Nachkriegsliteratur und gilt als Jahrhundertwerk. Das Nobelpreis-Komitee nannte das Buch die „Wiedergeburt des deutschen Romans im 20. Jahrhundert“. Grasserzählt darin von den Erlebnissen des aus Danzig stammenden Zwerges Oskar Matzerath, der sich mit drei Jahren weigert, weiter zu wachsen.

Das Erscheinen des Bildungs- und Schelmenromans rief in der Bundesrepublik manche Sittenwächter auf den Plan, die sich an den teils deftigen erotischen Szenen störten. Seit den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann habe kein Erstling einen derartigen Aufruhr verursacht, befand das Nobelpreiskomitee. Die Verfilmung des deutschen Regisseurs Volker Schlöndorff wurde 1980 mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

Der zuletzt in Behlendorf bei Lübeck lebende Grasshatte nach dem Krieg eine Steinmetzlehre gemacht und in Düsseldorf und Berlin Kunst studiert; er war Bildhauer und Grafiker. Er zeichnete auch und schrieb Gedichte. „Die Blechtrommel“ bildet zusammen mit der Novelle „Katz und Maus“ (1961) und dem Roman „Hundejahre“ (1963) die sogenannte Danziger Trilogie.

Weitere wichtige Werke sind die Novelle „Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, die Romane „Der Butt“ (1977) und „Die Rättin“ (1986), das skandalumrankte Buch „Ein weites Feld“ (1995) sowie die Novelle „Im Krebsgang“ (2002). Fast ein halbes Jahrhundert nach der „Danziger Trilogie“ schrieb Grass seine „Erinnerung der Trilogie“ mit drei autobiografischen Bänden.

Der erste autobiografische Band „Beim Häuten der Zwiebel“ sorgte 2006 für manchen Aufschrei. Überraschend machte Grass öffentlich, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Dem Autor wurde vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisiert habe.

In der Bundesrepublik engagierte sich Grass schon seit den 1960er Jahren als Gesellschaftskritiker. Seit den 1960er Jahren warb er in Wahlkämpfen für die SPD. Aus Protest gegen deren Asylpolitik trat er 1992 zwar aus der Partei aus, blieb ihr aber bis zuletzt verbunden. Früh setzte er sich auch für eine deutsch-polnische Verständigung und für den Verzicht auf die ehemaligen deutschen Ostgebiete ein. Immer wieder löste er heftige Kontroversen aus, zuletzt 2012 wegen eines Israel-kritischen Gedichts. Das Gesamtwerk des Literaturnobelpreisträgers ist im Göttinger Steidl Verlag erschienen.