Archivierter Artikel vom 27.05.2010, 15:36 Uhr
Oslo

Lena küsst Hape Kerkeling und alle singen „Sha-la-lie“

Penetrante Fragen an deutlich ältere Kusspartner, eine Rolle als „Vertreterin des wiedervereinigten Deutschland“, immer wieder „Satellite“ schmettern und bis Samstag zittern: Die zierliche Lena Meyer-Landrut muss vor dem Eurovisions-Finale in Oslo immer mehr Gewichte stemmen.

Oslo – Penetrante Fragen an deutlich ältere Kusspartner, eine Rolle als „Vertreterin des wiedervereinigten Deutschland“, immer wieder „Satellite“ schmettern und bis Samstag zittern: Die zierliche Lena Meyer-Landrut muss vor dem Eurovisions-Finale in Oslo immer mehr Gewichte stemmen.

Bekennender Lena-Fanclub: Hape Kerkeling, Wencke Myrrhe und ESC-Veteranin Mary Roos (v.l.)
Bekennender Lena-Fanclub: Hape Kerkeling, Wencke Myrrhe und ESC-Veteranin Mary Roos (v.l.)

Am Donnerstag schien der 19-Jährigen das aber doch nicht so viel auszumachen. „Es macht super Spaß hier“, rief sie auf einer Bühne des Fährschiffes „Color Fantasy“ der frisch in Oslo angereisten deutschen Eurovisions-Jury zu. Und man konnte es ihr fast glauben.

Auch ein Fan: Alexander Rybak, Gewinner des letzten Wettbewerbs in Moskau, begleitet Lena gerne zu Empfängen in seiner Hauptstadt.
Auch ein Fan: Alexander Rybak, Gewinner des letzten Wettbewerbs in Moskau, begleitet Lena gerne zu Empfängen in seiner Hauptstadt.

Die drei Jurymitglieder Hape Kerkeling, Mary Roos und DJane Lady Klick Klack, besser bekannt unter ihrem bürgerlichen Namen Hadnet Tesfai, outeten sich als „bekennender Lena-Fanclub“. Obwohl das nichts nützt: Punkte an das eigene Land sind verboten.

Kerkeling berichtete in ein TV-Mikrofon, dass man sich schon geküsst habe. „Wie fühlte sich denn der Kuss von Lena an?“ als Reporter-Frage fand der bekennende Schwule Kerkeling dann jedoch so penetrant, dass er sauer reagierte: „So was gehört sich nicht.“ Auch das Gekicher von Eurovisions-Veteranin Mary Roos neben ihm konnte Kerkeling nicht besänftigen.

Mary Roos, die Deutschland zweimal beim Eurovisions-Festival vertreten hat, machte aus ihrem Herzen als Jurymitglied keine Mördergrube: „Wir singen alle nur noch Sha-la-lie“. Der niederländische Eurovisions-Beitrag „Ik ben verliefd (Sha-la-lie)“ im Sound der späten 70er mit Sieneke entwickelt sich immer mehr zum Geheimtipp am Oslofjord.

Allerdings könnte der bis zum Ende sehr geheimbleiben, denn die Buchmacher sehen immer mehr die 17-jährige Aserbaidschanerin Safura vor Lena als Favoritin – und Sieneke ganz hinten. Drei Songs, drei sehr junge Sängerinnen, drei Welten. Die 18- jährige Niederländerin lächelt immer nett und bewegt sich sympathisch ungelenk. Der sexy durchgestylte Nachwuchs-Vamp Safura mit Prachtmähne dagegen scheint ein wahrer Vulkan zu sein. Jedenfalls stiefelte die Sängerin nach der ersten Kostümprobe für das zweite Halbfinale am Donnerstagabend derart wütend von der Bühne, dass man ihr da im abgedunkelten Bereich nur ungern im Weg gestanden hätte.

Solche Ängste sind bei Lena unbegründet. Vielleicht auch mit Blick auf ihre unkomplizierte Freundlichkeit ernannte ARD- Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber die junge Frau beim traditionellen Botschaftsempfang zu einer „wundervollen Vertreterin des wiedervereinigten Deutschland“. Weil sie doch im Mai 1991 und damit im „Jahr Eins“ nach der Vereinigung zur Welt gekommen ist. Und mancher erinnerte sich, dass sich die Bundesrepublik zehn Jahre vor dem Mauerfall beim Song Contest doch tatsächlich noch von Dschingis Khan mit einem Lied gleichen Titels vertreten ließ. Einiges scheint doch – Krise hin oder her – besser geworden zu sein.

Kerkeling verweigerte sich allen Einordnungsversuchen des neuen deutschen Eurovisions-Phänomens Lena: „Sie kann sehr gut für sich selbst sprechen.“ Nach der Vorführung von „Satellite“ auf dem Fährschiff klatschte er sich zusammen mit Mary Roos die Finger wund – wie es sich für einen deutschen Lena-Fanclub in Oslo eben gehört.

Die treten in Oslo auch sonst sehr bestimmt auf. Der Norweger Alexander Rybak, Gewinner des letzten Wettbewerbs in Moskau und ebenfalls mehrfach täglich in Interviews bekennender Lena-Anhänger, antwortete auf die Frage, was ihm den Verband an seiner Hand eingebracht habe: „Der Händedruck eines deutschen Fans.“

Thomas Borchert, dpa

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